Donnerstag, 22. September 2011

Home again

Zwischenzeitlich bin ich schon wieder über eine Woche in Deutschland. Es geht mir gut und es ist schön Zuhause zu sein. Am 14. September landete meine Maschine aus New York 30 Minuten vor der planmäßigen Ankunft. Vielleicht ist das die Pünktlichkeit für die meine Heimat so bekannt ist!? Das ging mir dann aber doch etwas zu schnell und meine damit eigentlich die Abreise aus New York und die Trennung von meinen neuen Freunden in Amerika. Es war richtig traurig Abschied zu nehmen. Da war es tröstlich, dass Mama, Papa und meine Schwester zu dritt kamen, um mich vom Frankfurter Flughafen abzuholen. So verflog die Traurigkeit. Das Ankommen wurde mir außerdem durch die Vorbereitungen auf die Hochzeit zweier guter Freunde erleichtert. Richtig eingespannt war ich und für das Abendprogramm zuständig. Es wurde in jedem Fall eine tolle Hochzeit und es war schön viele bekannte Gesichter wieder zu sehen und mit dem Hochzeitspaar zu feiern. Danach habe ich es allerdings ruhig angehen lassen und werde noch ein paar Tage richtig ausspannen. Anfang Oktober geht es für ein zusätzliches Praktikum an die Elbe nach Hamburg, wo ich beim Denkmalschutzamt arbeiten werde. Wie ich diese Woche erfahren habe, leben die glücklichsten Deutschen statistisch gesehen in der Hansestadt. So freue ich mich auf eine neue Herausforderung und bin sicher, dass die Traurigkeit der Freude über ein großartiges Praxissemester in den USA weichen wird. Vielen Dank für alles!

Eine wunderschöne Hochzeit im Kraichgau: Herzlichen Glückwunsch an die frisch Vermählten
Aus Hamburg werde ich mich über meinen Blog http://jesusfolger.blogspot.com/ melden!

Dienstag, 13. September 2011

California Dreaming

Der Pazifik liegt nun schon wieder weit hinter mir. Es geht gen Osten und ich sitze im Flugzeug zurück nach New York City. Eine ereignisreiche Woche in Kalifornien ist heute zu Ende gegangen. Ich bin froh, dass ich mir die Zeit genommen habe, um meine Freunde an der Westküste zu besuchen. Ich durfte bei einer befreundeten Familie übernachten, in Newport Beach am Strand verweilen und zum Frühstück selbstgeerntet Grapefruits essen. Dabei kamen viele gute Erinnerungen an mein Auslandssemester in mir auf. Einen ganzen Tag verbrachte ich auf dem Campus meiner ehemaligen Universität in Fullerton. Dort nahm ich passender Wiese an der International Coffee Break teil und traf bekannte Gesichter, sowie eine neue Generation an Austauschstudenten. Es war wie in alten Zeiten. Unfassbar, dass mein Studium in Orange County bereits zwei Jahre zurück liegt!

Mit guten Freunden aus Los Angeles County beim Koreaner, Korean BBQ ist nur zu empfehlen
Wirklich gerührt war ich davon, wie herzlich ich aufgenommen wurde. Wie selbst verständlich wollten mich alle mit dem Auto chauffieren und mich zum Essen einladen. Und los ging es: Meine ehemalige Vermieterin hat mich zu einem Museum mitgenommen, in dem man die Geschichte von Orange County erleben kann. Neben historischen Farmhäusern und Orangenplantagen, gibt es einen Schmied und andere Handwerker, denen man bei der Arbeit zu sehen kann. Mit Freunden aus meiner alten Kirchengemeinde war ich am Meer und durfte dort den kalifornischen Spätsommer genießen. Die Sonne brannte mit unter ganz schön vom Himmel. Da ist es kein Wunder, dass die wohlhabenden Bewohner von Newport Beach ihre neuen Wasserspielzeuge ausprobieren. Mir gelangen ein paar Schnappschüsse von einem Herrn, der sich mit einer Art Wasserkanone auf dem Rücken in zehn Meter Höhe katapultierte und dann für ein Weilchen über dem Wasser schwebte.

In Newport Beach spielen die Reichen schon mal mit einem wasserbetriebenen Raketenantrieb
Dennoch war diese Woche nicht nur von Spiel und Spaß geprägt. Am vergangen Sonntag jährten sich die Terroranschläge von New York und Washington zum zehnten Mal. Das ganze Land verbrachte das Wochenende im Andenken an die Opfer des 11. September 2001 und die Helden, die in jener Stunde des Schreckens geboren wurden. Auch in Orange County waren Trümmerteile des ehemaligen World Trade Centers zu sehen und waren ein Mahnmal für alle, die in den Tod gerissen wurden. Für jedes verlorene Menschenleben wurde eine Flagge aufgestellt, darunter auch die Deutsche Fahne. Never Forget. Und jetzt macht euch darauf gefasst, dass ich am Mittwoch wieder in Deutschland sein werde. Ich erwarte, dass ihr einen großen Bahnhof aus dem Frankfurter Flughafen macht. Nein, ich freue mich euch sehr bald wieder zu sehen und bedanke mich, dass ihr meinen Blog so treu verfolgt habt. Das Flugzeug setzt zur Landung an und so grüße ich euch noch einmal aus New York!

Eine Gedenkstätte für die Opfer des 11. September 2001: Stahlteile des World Trade Centers

Dienstag, 6. September 2011

Abschiedstour

Nachdem Hurrikan „Irene“ abgezogen war, klarte es am Montag vergangener Woche auf. Eine stabile Wetterlage beschere uns in New York für acht Tage sommerliche Temperaturen und Sonnenschein pur. Es war wie eine Entschädigung für das verregnete Wochenende mit kräftigen Böen und Ausgangssperre. Mit zwei Tagen Verspätung konnte also meine Urlaubszeit beginnen. Am Freitag vor dem Sturm war nicht nur mein letzter Arbeitstag, sondern war auch ein Freund aus Deutschland bei mir angekommen. Für mich war es eine Abschiedstour zu meinen Lieblingsplätzen in der Stadt und zu liebgewonnen Freunden. Für meinen Gast war es Sightseeing am laufenden Band und ich habe versucht einen guten Reiseführer abzugeben. Das war für meinen Besuch zugegebener Maßen mit einigen Anstrengungen verbunden. Zum Glück hat es ihm nach eigenem Bekunden gut gefallen.

Der Central Park nach dem Sturm: Perfektes Sommerwetter bei blauem Himmel und 25 Grad

Wir waren viel unterwegs, haben New York zu Fuß erkundet und uns mit Freunden getroffen. Zusammen mit Touristen aus aller Welt besuchten wir Sehenswürdigkeiten wie den Bahnhof „Grand Central“, den bunten Times Square und das Rockefeller Center. Ich konnte meinem Gast das Viertel zeigen, in dem ich während des Praktikums gearbeitet habe und meine Lieblingsplätze im Central Park oder am Ufer das East Rivers. Auch ein Baseballspiel der New York Yankees durfte nicht fehlen. Und dann wurde auf einmal ich „ausgeführt“ und auf eine Bootstour auf dem Hudson River eingeladen. Das war richtig aufregend! Mit 70 Sachen ging es an Manhattan vorbei bis in den berühmten Hafen. Nach einem Stopp an der Freiheitsstatue und den obligatorischen Fotos, zeigte uns der Kapitän wie wendig sein Schnellboot ist und wie schön das Flusswasser spritzen kann. 
Mein Besuch und ich im Baseballstadion der NY Yankees in der Bronx - einfach uramerikanisch 
Neben all diesen Unternehmungen in Manhattan und Umgebung, haben mein Besuch und ich zwei Tagesausfüge zu weiter entfernten Zielen unternommen: Wie bereits im Juni stand eine Busreise nach Washington D.C. auf dem Programm und nach all dem Stress der Städte, sorgte ein Strandtag auf Long Island für Entspannung. So konnte ich all die schönen Plätze an der Ostküste noch einmal sehen und meinem Gast vieles zeigen. Für die gemeinsame Zeit mit ihm und mit meinen neuen New Yorker Freunden bin ich besonders dankbar. Zum Abschied haben Freunde aus meiner Kirchengemeinde ein Picknick im Central Park organisiert und nochmal alle zusammen getrommelt. Ich fühle mich von Gott sehr gesegnet für die vergangenen sieben Monate in den USA. Heute ging unsere Tour zu Ende und mein Besuch und ich sind zusammen zum John F. Kennedy Flughafen gefahren und brachen von dort in unterschiedliche Himmelsrichtungen auf. Ich sitze nun im Flugzeug nach Los Angeles. Bevor es nächste Woche endgültig heißt, von Amerika Abschied zu nehmen, liegt eine Woche des Wiedersehens in Südkalifornien vor mir. Ich werde Freunde treffen, die ich während eines Auslandssemesters vor zwei Jahren kennen gelernt habe.

Ein Abschiedsphoto mit liebgewonnen Freunden aus meiner Kirchengemeinde in New York City

Samstag, 27. August 2011

Hurricane Irene

Noch am vergangen Wochenende habe ich Fire Island besucht, bin am Strand gesessen und habe auf den friedlichen Atlantik hinausgeschaut. Heute liegen die Barriereinseln vor Long Island verlassen da. In Erwartung der Sturmflut, die Hurrikan "Irene" mit sich bringen soll, wurden die Bewohner am Freitagnachmittag evakuiert. Viele auf Meeresniveau gelegene Gebiete entlang der Ostküste sind von Überschwemmungen bedroht. Am Samstag traf der Tropensturm in North Carolina das erste Mal auf das amerikanische Festland. Seither bewegt er sich nach Norden und wird im Verlauf des Sonntags über New York hinweg ziehen. Während tief gelegene Viertel entlang der Küsten und Meeresbuchten evakuiert wurden, ist mein Stadtviertel nicht von Überschwemmungen bedroht und von den Behörden als sicher eingestuft. Ich wohne in Washington Heights, das 80 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Auf Grund des zu erwarteten Starkregens und Windböen von 100 km/h werden wir das Haus allerdings nicht verlassen. Jetzt ist es hier Samstagabend gegen 20:00 Uhr, Dauerregen hat eingesetzt und zusammen mit meinem Besuch aus Deutschland warte ich ab, was die Nacht bringen wird. Ich werde euch in diesem Blog weiter auf dem Laufenden halten.

AKTUELLE INFORMATIONEN - Eastern Daylight Time

27.08.2011 22:20 Uhr: Mehrere Regenbänder sind durchgezogen. Nun ist es wieder trocken und windstill. Der kräftigste Teil des Sturms wird Sonntag ab 8:00 Uhr erwartet. Wir haben Vorbereitungen getroffen, Wasser und Lebensmittel eingekauft. Wir legen uns schlafen.

28.08.2011 08:30 Uhr: Die ganze Nacht hat es geregnet und gestürmt. Der Sturm liegt nun auf der Höhe von New York, hat sich aber auf seinem Weg der Küste entlang merklich abgeschwächt. Die größte Gefahr geht von der Sturmflut aus, die die New Yorker Stadtteile direkt am Meer bedroht. Wir sind nicht betroffen und Strom- und Wasserversorgung in meinem Stadtteil auch nicht gefährdet. Internet und Telefon funktionieren problemlos.

28.08.2011 12:25 Uhr: Das Sturmsystem "Irene" hat den Großraum New York ohne die befürchteten Zerstörungen verlassen. Es gab begrenze Überschwemmungen durch Starkregen und Sturmflut. Bis auf umgeknickte Bäume und vereinzelte Stromausfälle, sind keine Schäden zu verzeichnen. Nun ist der Wind zurückgegangen und es hat aufgehört zu regnen. Die Behörden gehen davon aus, dass am Montag der Alltag wieder einkehrt.

Blick von Washington Heights auf den Hudson River und die George Washington Bridge
28.08.2011 21:00 Uhr: Gegen Nachmittag haben wir das Haus verlassen und einen Spaziergang durch Washington Heights unternommen. Viele Läden waren geschlossen und einige Straßen waren überseht mit kleineren Ästen und vom Wind angewehtem Unrat. Aufräumarbeiten waren bereits im Gang. Am Abend lichtete sich die Wolkendecke. Die Sonne kam heraus und bescherte uns einen schönen Sonnenuntergang. Wir freuen uns auf die Rückkehr des Sommers: Für Morgen sind Sonnenschein und 26°C vorhergesagt.

Sonntag, 21. August 2011

Feuer und Flamme

Samstag bin ich mit Zug und Fähre nach Fire Island gefahren und habe dort einen Tag am Strand einlegt. Durch eine breite Bucht von Long Island getrennt, erstreckt sich das schmale Eiland über viele Meilen entlang der Atlantikküste. Dabei wirkt Fire Island als Wellenbrecher. Die ruhigen Gewässer der großen Bucht sind perfekt zum Segeln geeignet und beherbergen neben Yachthäfen auch eine reiche Flora und Fauna. Mit der Fähre in 30 Minuten zu erreichen, ging es nach Ocean Beach, einem hübschen Ort mit Hafen auf der einen und einem grandiosen Sandstrand auf der anderen Seite der Insel. Der Strand liegt dabei am offenen Meer und ist nur durch eine Dünenkette von den Häusern getrennt.

Der Strand von Ocean Beach ist ein beliebtes Ziel für Tagestouristen aus New York City
Es war schön, mit einem Eis über die Insel zu streifen, am Strand zu sitzen und die Natur zu erleben. Fire Island ist der perfekte Ort für ein erholsames Wochenende und das liegt nicht nur an der guten Meeresluft. Es gibt nämlich keine Autos auf der Barriereinsel. Alle sind zu Fuß oder auf zwei Rädern unterwegs. Vor dem Lebensmittelladen, dem Fischlokal oder der Synagoge reihen sich die abgestellten Fahrräder und Handwagen aneinander. Dennoch ist es unverkennbar, dass man sich in den USA befindet. Neben den zahlreichen Flaggen, ist es das Wegenetz, dass schachbrettartig die im Kiefernwald gelegenen Wohnhäuser mit dem Ortskern, dem Hafen und dem Strand verbindet. Ein gemütliches Leben auf der Insel.

Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten säumen die Wege zwischen Strand und Hafen
Nach viel Sonne und Meer wartete die Fähre im Hafen und brachte uns Tagestouristen nach Bay Shore, auf der anderen Seite der Bucht. Von dort ging es mit einem Zug der Long Island Railroad zurück ins 100 km entfernte New York. Die Bootsüberquerung und die Zugfahrt alleine waren die Reise schon wert. Wie ein kleiner Columbus machte ich mich auf und entdeckte einen Kontinent oder zumindest einen Teil davon. Von Zügen bin ich sowieso entzückt und standesgemäß darf ein Entdecker auf ein Schiff nicht verzichten. So gönne ich mir noch ein wenig Abenteuer in Amerika und bin begeistert von Fire Island und vielen weiteren Entdeckungen, die ich im Laufe meines Auslandsaufenthaltes machen durfte.

Am Hafen von Ocean Beach legt die Fähre aus Bay Shore an und bringt Badegäste auf die Insel

Mittwoch, 17. August 2011

Streets of New York

So unterschiedlich wie die Menschen in dieser Stadt, sind die Straßen auf denen sie unterwegs sind. In meinen letzten Wochen möchte ich die Stimmungen, Bilder und Begegnungen in New York intensive auf mich wirken lassen. Meine Kamera wird mich begleiten und da gibt es noch einiges auf meiner Liste, das ich mir ansehen und ablichten möchte. Sträßchen wie die Stone Street in Downtown mit ihren historischen Bauten, die an die europäischen Wurzeln Amerikas größter Stadt erinnern. Viertel wie TriBeCa, die den Charakter New Yorks als Hafenstadt prägen und einen wichtigen Stein im Mosaik dieser Metropole bilden. Zu diesem Programm kommen die ersten Abschiedsfeiern. Gerade komme ich von einem Abendessen mit meinen Kollegen aus unserem Architekturbüro.

Die autofreie Stone Street in Lower Manhattan ist von Kneipen und Restaurants gesäumt
Es gibt aber auch sonst genug, mit dem man seine Zeit verbringen kann. Die Summer Streets in New York versprechen freie Fahrt für Rollschuhfahrer, Kinderwagen und Touristen auf Entdeckungstour. An den ersten drei Samstagen im August wird die geschäftige Park Avenue zur Flaniermeile für Spaziergänger und einer entspannten Ausflugsroute für Fahrradfahrer. Autos werden ausgesperrt und auf andere Straßen umgeleitet. So entsteht ein autofreier Korridor von der Brooklyn Bridge bis zum Central Park. Die Atmosphäre erinnert an ein Straßenfest. Entlang der elf Kilometer langen Strecke sind Sandkästen für die Kinder aufgebaut, werden Spiele angeboten und sogar eine Kletterwand steht zwischen all den Hochhäusern. Das Konzept der Fußgängerzonen wird inzwischen auch am Times Square umgesetzt. Hier kann man sich mitten im Trubel unter einen Sonnenschirm setzten und ein Buch lesen. Es soll ja Leute geben, die kein Auge für all die Leuchtreklame haben.

Am Times Square ist der Herzschlag New Yorks zu spüren, in der Rushhour ein Herzrasen

Freitag, 5. August 2011

Erinnerungen

Mir kommt es so vor, als hätte ich schon immer in New York gelebt. Die Stadt ist ein Universum für sich und fordert alle Aufmerksamkeit. Doch je näher das Ende meines Praktikums heranrückt, desto schneller vergeht die Zeit. Bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland liegen noch drei Arbeitswochen vor mir und danach 19 Tage Urlaub, die ich teilweise bei Freunden in Kalifornien verbringen werde. Darauf freue ich mich schon sehr und auch auf den Besuch eines Freundes aus Eggenstein zum Ende meines Aufenthaltes in New York. Die Arbeit im Büro war über die heißen Sommertage Ende Juli und Anfang August immer wieder durch besondere Unternehmungen unterbrochen. Darunter war der Besuch einer sehenswerten Ausstellung im Metropolitan Museum of Art mit der letzten Kollektion von Alexander McQueen, einem vor einem Jahr verstorbenen Modedesinger. Wir nahmen auch an einer Führung durch ein neues Universitätsgebäude teil. Der Bau gehört zu The Cooper Union und wurde von der Fachwelt in höchsten Tönen gelobt. Die Hochschule bietet kostenlose Studiengänge in den Bereichen Architektur, Kunst und Technik. Diese Abstecher in die schöne Welt der Stararchitekten und Designer motivierte uns Praktikanten und entschädigte für zahlreiche Stunden vor dem Computer bei Sonnenschein und heißen Temperaturen. So werden mir die Firma und meine Kollegen in guter Erinnerung bleiben.

Drei Praktikaten auf der Dachterrasse von 41 Cooper Square, Erweiterung der Cooper Union

Sonntag, 31. Juli 2011

Wasser marsch!

Nach der Hitzewelle von vor einer Woche hat sich das Klima hier in New York auf perfektes Sommerwetter eingependelt. Gegen 30°C und blauen Himmel habe ich nichts einzuwenden. Zumal das Eis doppelt so gut schmeckt und man zur Abkühlung auch gerne ein paar Spritzer Wasser abbekommt. Ansonsten lasse ich mir bei diesen Temperaturen gerne den Wind am Hudson River um die Nase wehen. Heute saß ich am Nachmittag tatsächlich 2 Stunden auf einer Parkbank und habe den Schiffen und Wassersportlern zugesehen. Es ist immer was los im New Yorker Hafen: Zwei Kreuzfahrtschiffe sind ausgelaufen, Segelboote und gelbe Wassertaxis fuhren vorüber und die ein oder andere Verfolgungsjagd auf Jet-Skis konnte ich mir auch anschauen. Nachdem sich das gewaltige Kreuzfahrtschiff Norwegian Gem mit dem Schiffshorn von New York verabschiedet hatte, war es auch für mich Zeit zu gehen.

Das Kreuzfahrtschiff Norwegian Gem verlässt den New Yorker Hafen auf dem Hudson River
In Washington Heights - mein Wohnviertel - und anderen Stadtteilen wird bei Sommerhitze gerne der Feuerhydrant an der Straßenecke aufgedreht. Davon gibt es in New York 110.000 und alle liefern ausreichend Wasserdruck für eine schöne Fontäne. Das gehört in Manhattan zur heißen Jahreszeit dazu und ist eine geduldete Maßnahme zur Abkühlung. Manchmal werden Seitenstraßen sogar von der Polizei für den Verkehr gesperrt, damit die Kinder der Nachbarschaft ungestört im Sprühregen spielen können. Für die aufsichtführenden Eltern ist das die perfekte Gelegenheit für eine kleine Autowäsche. Andere Verkehrsteilnehmer genießen das Spektakel mit Vorsicht: Fährt man im Bus vorbei, überprüft der Fahrer, ob alle Fenster geschlossen sind. Es soll ja kein Fahrgast nass werden. Eigentlich schade.

Geöffnete Feuerhydranten sind für Abkühlung und die samstägliche Autowäsche zu empfehlen
Nach einer ausgedehnten „Fototour“ mit Besichtigungen oder einem langen Arbeitstag brauche ich am Abend eine gute Mahlzeit. Oft koche ich mir deshalb eine Kleinigkeit, wenn ich nach Hause komme. Am einfachsten sind Nudelgerichte und bei unserem Gasherd bringt man Wasser schnell zum Kochen. Heute habe ich mir damit in wenigen Minuten eine Art Nudelpfanne zubereitet. Zu meinen gekochten Penne habe ich Tomatensoße, verschiedenes Gemüse und Tintenfisch aus der Dose dazugegeben. Broccoli und Meeresfrüchte stehen bei mir hoch im Kurs. Das ganze erhitzt und ohne viel Schnickschnack serviert – ich hatte einen Bärenhunger. Mit Meeresfrüchten wird das Wochenende nach meinem Gefühl fast zum Urlaub. In diesem Sinne wünsche ich euch schöne Sommerferien und gute Erholung!

Nach einem langen Arbeitstag oder einer ausgiebigen Besichtigung hilft ein gutes Abendessen

Donnerstag, 21. Juli 2011

Unerwartet

New York City ist bekannt für die Brooklyn Bridge, das Empire State Building und die Börse an der Wall Street. Markenzeichen einer Stadt und Symbole für die moderne Welt. Zur Zeit ihrer Fertigstellung im Jahre 1883 war die Brooklyn Bridge die längste Brücke der Welt und die erste, die im Lichte elektrischer Glühlampen erstrahlte. Die Errichtung des Empire State Buildings markierte den Höhepunkt des Hochhausbaus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Über 40 Jahre sollte es das höchste Gebäude der Welt bleiben. Auch die New York Stock Exchange steht für Superlative. In New York wird die Hälfte aller weltweiten Aktien gehandelt. So steht die Wall Street nach der internationalen Finanzkrise von 2008 weiterhin für wirtschaftliche Macht und Kapitalismus. Viele werden denken, dass in eine solche Stadt kein gotisches Kloster passt. Architekturgeschichtlich wäre das auch richtig, New York wurde schließlich erst 1624 gegründet. Das war allerdings kein Grund für John D. Rockefeller und so kann man seit 1938 in einem der Kreuzgänge der „Cloisters“ Zuflucht vor der lärmenden Metropole suchen. Mittelalterliche Kunstgegenstände und komplette Gebäudeteile verfallener Klöster wurden aus allen Teilen Europas zusammengetragen und zu einem Gesamtkunstwerk gefügt. The Cloisters ist heute eine Außenstelle des Metropolitan Museum of Art mit Schwerpunkt auf europäischer Kunst des 12. Jahrhunderts.

The Cloisters: Mittelalterliche Architektur in Manhattan, errichtet mit Originalbauteilen aus Europa
Du steigst aus der vollen U-Bahn der Linie "A". Vom gut gekühlten Subway-Wagen geht es hinaus in die Schwüle des New Yorker nachmittags. Auf dem Bahnsteig wuselt es vor Menschen. Zum Glück ist es keine unterirdische Station. Alle drängen zu den Ausgängen. Einer nach dem anderen geht durch die Drehtüren und läuft auf die Straße. Es fühlt sich an wie die Rushhour an Wochentagen, doch es ist Sonntag und die Silhouette Manhattans kann man nur in der Ferne erahnen. Nicht die Aktentasche, sondern der Sonnenschirm klemmt unter dem Arm. Vor dem Bahnhof erwartet dich eine angenehme Brise und die Luft riecht nach Meer. Mit dem A-Train, der auch an der Haltestelle vor meinem Apartmentgebäude hält, dauert es eineinhalb Stunden von Washington Heights bis nach Rockaway Park. Eine Fahrt vom dichtbebauten Manhattan bis an den offenen Atlantik. Die Menschen aus der U-Bahn verteilen sich schnell an der kilometerlangen Strandpromenade. Kaum zu glauben, dass dich direkt vor New Yorks Haustüre, am Rande des Stadtteils Queens, ein perfekter Sandstrand erwartet: Im Ozean schwimmen, Beachvolleyball spielen oder einfach nur die Beine hochlegen. Aktuell lässt es sich bei 30°C gut aushalten und auch im Büro klappt es mit der Konzentration. Für Freitag und Samstag werden allerdings 37°C erwartet. Der A-Train wird wohl wieder mit Städtern gefüllt sein, die nach Abkühlung suchen.

Perfektes Badewetter am Rockaway Beach, auf einer langgestreckten Halbinsel im Atlantik gelegen

Mittwoch, 13. Juli 2011

Arbeitswelt

Meine Praktikumsfirma „Messana O’Rorke“ wurde von Brian Messana aus Kalifornien und seinem Geschäftspartner Toby O’Rorke aus Großbritannien vor 15 Jahren gegründet und ist seit dieser Zeit besonders im Bereich der Innenarchitektur tätig. Es herrscht eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre in unserem Büro. Wie in den USA üblich, sprechen wir Praktikanten unsere Vorgesetzten mit Vornamen an. Brian ist für die Öffentlichkeitsarbeit, die Entwurfsarbeit und die Betreuung von uns Praktikanten zuständig. Toby kümmert sich um Detailzeichnungen, Ausschreibungen und Kostenplanung. Vor Arbeitsschluss nimmt sich Brian für jeden Praktikanten Zeit und bespricht die über den Tag geleistete Arbeit. Da kommt ganzschön was zusammen! Mein Arbeitstag beginnt um 9:00 Uhr und endet in der Regel gegen 19:00 Uhr. Ab 13:00 Uhr ist eine Stunde Mittagspause, die wir Praktikanten außerhalb des Büros, in einem Restaurant oder Park verbringen. Einmal die Woche gehen alle gemeinsam Mittagessen und werden von unseren Chefs eingeladen. Es herrscht oft eine familiäre Atmosphäre und einmal im Monat wird auch ein Feierabend zusammen verbracht. Das kann ein Abend im Kino sein oder ein Firmenausflug zur Bowlingbahn. Zusätzlich haben wir die Möglichkeit über die Firma Museen und Ausstellungen kostenlos zu besuchen. Es ist gerne gesehen, wenn man die Kunst- und Architekturszene New Yorks erkundet.

Diese zwei will ich nicht vergessen: Agnes und Oliver sorgen für Abwechslung im Büroalltag
Für Brian und Toby geht es darum ihren Praktikanten beizubringen, wie sie Probleme lösen und Gebäude entwerfen. Es gilt das firmentypische Design beizubehalten und nicht sich selbst zu verwirklichen, zumindest für uns Praktikanten. Das kann eine harte Schule sein. Das Praxissemester in New York empfinde ich aber gerade deshalb als wichtigen Schritt in meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung. Dabei habe ich besonders vom Grad der Professionalität und Organisationsstruktur profitiert. Am Ende des Tages weiß ich, was ich geleistet habe und nach der Arbeit geht der Spaß ja erst richtig los! Die Entscheidung, was ich am liebsten machen will, fällt schwer. Ich versuche weiterhin zweimal die Woche ins Fitnessstudio zu gehen. Für echte Sportskanonen klingt das eher schwach. Mir geht es um den Ausgleich zur Arbeit und dem häufigen Sitzen. Dann gibt es noch eine ganze Reihe von Freizeitbeschäftigungen, die einen abends locken. Morgen gehe ich nach der Arbeit zu einer Kinovorführung im Brooklyn Bridge Park. Die Frage ist, was die größere Attraktion sein wird: Der Film auf der Leinwand oder die Skyline von Manhattan auf der anderen Seite der Brücke. So genieße ich zum Feierabend und an den Wochenende den Sommer in New York.

Eis mit viel Farbstoff ist genau das Richtige für einen heißen Sommertag in New York City

Mittwoch, 6. Juli 2011

Independence Day

Der 4. Juli ist Amerikas Nationalfeiertag, an dem der Unabhängigkeit und der Ideale der USA gedacht wird. Man hat sich hier gesellschaftlich darauf geeinigt, dass man das am besten beim Barbecue mit der Familie machen kann. Dieser Tradition kann sich auch die New Yorker Stadtverwaltung nicht widersetzen und gibt alle Parks zum Grillen frei. Denn einen eigenen Garten hat in New York höchstens der Bürgermeister und der ist schon für den Sektempfang zum Independence Day ausgebucht. So war schon das ganze Wochenende jeder Zentimeter Rasenfläche mit Gasgrills, Klappstühlen und Fähnchen zugepflastert. Höhepunkt eines gelungenen Unabhängigkeitstages ist das Feuerwerk und das größte dieser Art findet, wie sollte es anders sein, in New York City statt. Über eine Praktikantin aus unserem Architekturbüro war ich bei einer Party auf dem Hausdach eines 35. stöckigen Apartmentgebäudes eingeladen. Die Aussicht von der Upper West Side auf die Hochhäuser von Midtown und das Feuerwerk über dem Hudson River war atemberaubend. Das Feuerwerk wird von Lastkähnen auf dem Fluss abgebrannt und so sind die Piers und Uferpromenaden gedrängt mit Menschen. Da hat man es gut, wenn man den Anblick von oben genießen kann. Ich habe euch aus meinen Videos einen Film zusammengestellt:

Donnerstag, 30. Juni 2011

Summer in the City

Im Sommer wird New York City zur Bühne für alle Selbstdarsteller und Vergnügungslustigen. Eine bunte Mischung aus verschiedensten Kulturen, Lebenskonzepten und Religionen. Da sitzen orthodoxe Juden neben Hippies auf der Parkbank. In den Grünanlagen treffen sich Musiker und unterhalten Touristen wie Anwohner mit improvisierten Stücken. Zu den verschiedenen Feiertagen und Festen zieht zudem eine Parade über die 5th Avenue. Die durfte auch am letzten Sonntag nicht fehlen. Am 26. Juni fand der alljährliche Gay Pride Day statt, der in Deutschland auch unter dem Namen “Christopher Street Day” bekannt ist. Die Christopher Street in New York war Schauplatz eines Aufstands von Homosexuellen. Die Polizei ging damals mit einiger Härte gegen die Demonstranten vor und seit diesem Vorfall im Sommer 1969 entwickelte sich eine weltweite Bewegung der Schwulen und Lesben. Höhepunkt ist die Parade am Gay Pride Day, die halb Demonstration, halb Karnevalsumzug ist. Auch ich habe mir das mehr oder weniger wilde Treiben angesehen.

Die Gay Pride Parade mit schrillen Kostümen und dröhnender Musik zieht die 5th Avenue hinunter

In der Stadt reiht sich zwischen Juni und September ein Highlight an das andere. Freilichtkino auf den Piers am Hudson River, Konzerte in verschiedenen Parks und Theateraufführungen zählen zu den unzähligen kostenlosen Veranstaltungen. Es gibt viele Möglichkeiten seinen Feierabend zu verbringen! Will man den Menschenmassen entgehen, dann sucht man sich ein ruhiges Plätzchen im Central Park. Natürlich nicht gerade da, wo alle für „Shakespeare in the Park“ anstehen. Ein paar Freunde sollten aber nicht fehlen. Da bin ich froh, dass meine Gemeinde für mein geistliches, aber auch mein leibliches Wohl da ist. Nicht nur gefällt mir der Gottesdienst sehr, wir gehen sonntags oft zusammen Mittagessen oder treffen uns eben zum abendlichen Picknick im Park. Es ist toll, dass ich in diesem Freundeskreis mit dabei sein kann. Am Samstagabend dann darf es ruhig ein Konzert sein. Ein befreundeter Praktikant aus Deutschland wohnt und arbeitet in Brooklyn und hat mich mit zu einem Festival im Prospect Park genommen.
"Celebrate Brooklyn!" im Prospect Park bietet den ganzen Sommer kostenlose Festivalstimmung
Doch was gibt es besseres, als an einem lauen Sommerabend am Fluss zu sitzen und die Skyline am anderen Ufer zu bewundern. In Brooklyn und Queens gibt es einige schöne Uferpromenaden mit Blick auf die Hochhäuser von Manhattan. Neu entdeckt habe ich die Williamsburg Waterfront, ein vor kurzem eröffneter Park am East River. Definitiv die lange Fahrt mit der U-Bahn wert! Leider bringt es der Sommer auch mit sich, dass Studenten nach Hause in die Ferien fahren, mit denen man gut befreundet war. Auch in unserem Büro heißt es Abschied nehmen. Wir Praktikanten werden neu durchgemischt. Unser Mitstreiter aus England wird uns verlassen, der sein Praktikum im vergangen Jahr angefangen hatte. Mit ihm verstehe ich mich sehr gut, wir haben in der Firma immer zusammen gehalten und viel privat unternommen. Das wird eine Umstellung: Ich bin jetzt der dienstälteste Praktikant und mal sehen, mit wem ich das nächste Mal am East River sitzen werde.

Die Williamsburg Waterfront in Brooklyn mit großartigem Blick auf die Skyline von Manhattan

Donnerstag, 23. Juni 2011

Sonne, Strand und mehr

Die vergangenen zwölf Tage hatte ich Besuch von einem guten Freund aus der Heimat und dazu die ganze Pfingstwoche frei. Diese Kombination war wie ein Versprechen auf einige spannende Tage. Schön, wieder einmal wie ein Tourist durch die Stadt zu streifen und New Yorks Attraktionen zu besichtigen. Davon gibt es reichlich und so hatten wir ein straffes Programm vor uns. Mit Freuden habe ich den Stadtführer gegeben, um meinem Gast einen umfassenden Eindruck von New York City zu verschaffen. Da kamen täglich einige Kilometer Fußmarsch zusammen. Da war es gut, dass wir uns abends im Baseballstadion oder Musicaltheater einfach setzen und zuschauen konnten. Zwei Dinge haben mir bei unserer Tour besonders gut gefallen: Die Bootsrundfahrt mit der Circle Line um ganz Manhattan und die Aussicht vom obersten Stockwerk des Rockefeller Centers.

Blick von der Aussichtsplattform des Rockefeller Centers in Midtown Manhattan
Im lauten, hecktischen New York sind wir nicht die ganze Zeit geblieben. Schon ein wenig ruhiger ging es im sommerlichen Washington zu, das wir mit dem Greyhound Expressbus in vier Stunden erreichten. Vom Busbahnhof war es nur ein Steinwurf zum Capitol Hill mit dem gewaltigen Parlamentsgebäude, dem Obersten Gerichtshof und der Kongressbibliothek. Unter der im Sonnenlicht glänzenden Kuppel des Kapitols, bestaunten wir die weitläufigen Parkanlagen und die bis an die Zähne bewaffneten Sicherheitsbeamten. Unsere Mittagspause verbrachten wir in der alten Hauptpost, die heute Restaurants und Geschäfte beherbergt. Vom Turm des ehrwürdigen Gebäudes hat man einen tollen Blick über das Regierungsviertel. Dann ging es die Pennsylvania Avenue hinunter bis zum Weißen Haus, dem Sitz des Präsidenten. Von dort liefen wir hinüber zur Mall, die die Hauptachse durch die Stadt bildet. Die parkähnliche Anlage beherbergt Denkmäler für Präsidenten und gefallene Soldaten, sie ist gesäumt von zahlreichen Museen und öffentlichen Einrichtungen. Einen ausgedehnten Spaziergang und ein Eis später waren wir zurück am Bahnhof. Die sieben Stunden in Amerikas Hauptstadt waren gefüllt mit vielen neuen Eindrücken, sodass uns im Bus die Augen zu fielen. New York hatte uns gegen Mitternacht wieder.

Vor dem Weißen Hause, dem Amtssitz des Präsidenten der Vereinigen Staaten
Richtig entspannen konnten wir uns hingegen bei einem Tagesausflug an den Strand von Southampton. Zuvor ging es mit dem Zug raus aus der Stadt und auf das grüne Long Island, das sich von New York im Süden 190 km entlang der Atlantikküste erstreckt. Die Hamptons im Nordosten der Insel gelten als das Wochenendrefugium der reichen New Yorker. Bis auf einen Blick in deren Vorgarten oder das Zählen von deutschen Luxuslimosienen kamen wir ihnen aber nicht viel näher. Hautnah konnten wir dafür den kilometerlangen Strand erleben. Mit den Füßen im Wasser, dem beruhigenden Rauschen der Brandung im Ohr und genügend Sonnencreme auf der Haut verbrachten wir den Nachmittag am Meer. Auch bewunderten wir die Surfer, die so ziemlich die Einzigen waren, die sich in die tosende Brandung wagten. Die Kraft des Ozeans fasziniert mich ungemein. Gott sei Dank ist außer den Wellen nichts gebrochen. Überhaupt bin ich Gott dankbar für diese ausgefüllten Tage!

Sonne satt, Sandstrand und hohe Welle im schicken Southampton auf Long Island

Donnerstag, 9. Juni 2011

Auf Achse

„Upstate“ nennen die New Yorker den nördlichen Teil ihres Bundesstaates. Dieser reicht bis an die Grenze zu Kanada und hat nicht viel gemein mit New York City, dem südlichen Zipfel von New York State. Große Teile des Staates sind dünn besiedelt. Es gibt Landwirtschaft und einzelne Industriestandorte. Das Landschaftsbild ist hauptsächlich von Bergen, Wäldern und Gewässern wie dem Hudson River und den Finger Lakes geprägt. Auch die Hauptstadt Albany, drei Autostunden von New York City entfernt, liegt in Upstate. Ganz in der Nähe habe ich mein letztes Wochenende verbracht. Mein Chef hat uns Praktikanten auf eine Museumstour mitgenommen und uns zum Grillen auf sein Wochenendhaus "Ten Broeck" eingeladen. Das kleine Landhaus stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde von holländischen Siedlern errichtet. Mein Chef hat das Cottage vor wenigen Jahren vor dem Verfall gerettet und durch einen modernen Anbau erweitert, der viel Lob erfuhr. Das Grundstück liegt inmitten einer Apfelplantage und an einem plätschernden Bach.

Ten Broeck Cottage wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von holländischen Siedlern errichtet
Unser Roadtrip führte uns auch in einen benachbarten Bundesstaat. Das in North Adams gelegene Massachusetts Museum of Contemporary Art (MASS MoCA) hat mir auf unserer Tour am besten gefallen. Fabrik- und Lagerhallen wurden hier zu Ausstellungsräumen umgestaltet. Das Platzangebot in den ausgedehnten Industriegebäuden und die großen Fensterflächen ergeben ein Raumgefühl, das nur wenige Museen bieten können. Auch die gewaltigen Installationen der deutschen Künstlerin Katharina Grosse finden hier ausreichend Platz (siehe Foto). MASS MoCA beherbergt neben mehreren Wechselausstellungen auch eine Dauerausstellung zum Lebenswerk des verstorbenen Künstlers Sol LeWitt. Dieser ist für seine geometrischen Formen und die von ihm entwickelten Farbkompositionen bekannt.

Ein Kunstmuseum auf einem ehemaligen Industriegelände, das MASS MoCA in Massachusetts
Die Sommersonnenwende kündigt sich in New York schon frühzeitig an. An einem Tag Ende Mai berührt die Sonnenscheibe den Horizont genau in Achse zum New Yorker Straßennetz. Die von Ost nach West verlaufenden Querstraßen geben den Blick frei auf die untergehende Sonne. Manhattan wird so vom Hudson bis zum East River mit den goldenen Strahlen der Abendsonne geflutet. Dazu bieten die Straßenschluchten den perfekten Rahmen für den Sonnenuntergang und verstärken so den Effekt. Ein zweites Mal findet dieses Schauspiel Anfang Juli statt, wenn die Tage wieder kürzer werden. Ich habe also noch einmal die Chance für ein Foto. Die Aufnahme für diesen Blogeintrag entstand wenige Tage nach dem eigentlichen Datum. Man kann dennoch erahnen, wie eindrucksvoll dieses Ereignis ist. Aber auch so heizt uns die Sonne in den letzten Tagen kräftig ein. Donnerstag erwarten wir 38°C und am Abend ein schönes Gewitter, das die Temperaturen wieder nach unten bringt.

Manhattanhenge: Zweimal im Jahr geht die Sonnen in Achse zu New Yorks Querstraßen unter 

Donnerstag, 2. Juni 2011

Wo alles begann ...

Am vergangenen Wochenende ging es mit dem Greyhound Expressbus auf zu einem Städtetrip nach Boston. Einer Stadt, die den Charme Neuenglands mit der Geschäftigkeit einer Metropole verbindet. Die Halbinsel, auf der sich die Innenstadt befindet, ist zwischen den Wassern des Charles Rivers und des Hafens in der Massachusetts Bay gelegen. Das Stadtbild würde ich vielerorts als elegant und gepflegt bezeichnen, ganz besonders im direkten Vergleich zum hektischen New York. Die Bostonians sind stolz auf ihre historischen Viertel, wie dem Beacon Hill, mit seinen malerischen Stadthäusern. Mit Sicherheit profitiert Boston auch von den weltbekannten Bildungseinrichtungen in Cambridge, auf der anderen Seite des Charles Rivers. Neben dem MIT mit den Schwerpunkten Technologie und Forschung, ist dort auch der Campus der Harvard University zu finden, die sich u.a. den Geisteswissenschaften und der Wirtschaftslehre verschrieben hat. Beide Hochschulen zählen zu den besten des Landes. Präsident Obama höchstpersönlich studierte Jura in Harvard und war Präsident der Harvard Law Review, einer rechtswissenschaftlichen Zeitschrift. Kein Wunder, dass man den Sitz der Zeitung „kleines Weißes Haus“ nennt.

Die Longfellow Bridge verbindet Boston über den Charles River mit Cambridge
Dank einer Freundin, die einige Zeit in Boston gelebt hat, bekam ich Einblicke aus erster Hand. Kennen gelernt hatte ich sie in meiner Kirchengemeinde in New York. Als sich herausstellte, dass sie die bereits angebrochenen Semesterferien in Neuengland verbringt und am gleichen Wochenende in Boston sein würde, war die Stadtführung schon gebucht. Was sie mit Begeisterung gemacht hat - ich will ja niemandem zur Last fallen. Zu Fuß und mit der U-Bahn ging es quer durch die Stadt und wir haben wirklich viel gesehen. Von der städtischen Bibliothek, bis hin zum Eis in Little Italy war alles dabei. Eine kleine Abkühlung bei sommerlichem Wetter war auch mehr als willkommen. Besonders gut hat es mir da am Wasser gefallen, mit einer erfrischenden Brise und Parkbänken an der Uferpromenade.

Das nächtliche Boston aus dem 50. Stockwerk des Prudential Towers gesehen

Das verlängerte Wochenende in Boston wurde mir durch den Memorial Day am Montag ermöglicht. An diesem Tag gedenkt Amerika seinen gefallen Soldaten. Dazu fanden in der Stadt verschieden Veranstaltungen statt. Es gab einen Marathon in Erinnerung an im Dienst ums Leben gekommene Polizisten und eine Gedenkstätte mit einer Flagge für jeden gefallen Soldaten aus Massachusetts. Boston hat eine lange Tradition in der Ehrung seiner Helden. Der berühmt gewordene Protest „Boston Tea Party“ von 1773, stellt ein Schlüsselereignis im Widerstand gegen die englische Kolonialmacht dar. Wenig später wurde der erste Kontinentalkongress der amerikanischen Kolonien einberufen und 1775 begann nahe Boston der Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien. In Boston finden sich viele Spuren aus dieser Zeit und dem „Freedom Trail“ folgend, kann man die amerikanische Revolution und die Überwindung der Sklaverei besser kennen lernen.
Jede Flagge am Flagstaff Hill steht für einen gefallen Soldaten aus Massachusetts

Donnerstag, 26. Mai 2011

Gegensätze

Die Straßen von New York sind von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kultur bevölkert. Ein buntes Mosaik, in dem 200 verschiedene Sprachen gesprochen werden und Hindus, Christen und Moslems gemeinsam ihren Geschäften nachgehen. New York ist auch Heimat einer großen jüdischen Gemeinde – größer als die von Jerusalem. Mehr Chinesen leben hier, als an jedem anderen Ort außerhalb Asiens. Die Stadt an der Mündung des Hudson Rivers ist seit jeher ein Tor zur Neuen Welt. Ein Drittel der heutigen Einwohner New Yorks wurden nicht in den USA geboren. Besonders aus dem lateinamerikanischen und asiatischen Raum kommen viele neue Einwanderer. Oft ziehen Neuankömmlinge zu ihren Landsleuten in ein bestimmtes Viertel und prägend so den Stadtteil durch ihre Feste und Gebräuche. Ich lebe in Washington Heights. Hier im Norden Manhattans stammt ein Großteil der Einwohner aus Puerto Rico und der Dominikanischen Republik. Das spiegelt sich am Warenangebot in den Supermärkten wider, an der Musik, die aus den Häusern schallt und der Sprache, die auf der Straße gesprochen wird. ¿Habla usted español?

In meiner Nachbarschaft: Die belebte St. Nicolas Avenue in Washington Heights
Viele Einwanderer kommen auf der Suche nach einem besseren Leben und mehr Wohlstand in die Vereinigten Staaten. Sie befriedigen den Bedarf an günstigen Arbeitskräften im Dienstleistungsbereich, der gerade in New York hoch ist. Doch durch den Zuzug von Menschen mit geringen Englischkenntnissen und Defiziten bei der Ausbildung, klafft die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinander. Viele Migranten-Viertel in New York haben soziale Probleme, während die Manager an der Wall Street satte Boni einstreichen. Dieses Missverhältnis begegnet einem überall in der Stadt. Bürgermeister Bloomberg ist stolz auf die „Luxusstadt“ New York, die mit 55 Milliardären den ersten Platz in dieser Kategorie einnimmt. Auf der anderen Seite müssen die Schulen und sozialen Einrichtungen die Missstände bei Immigranten und den ärmeren Bevölkerungsschichten auffangen. Besonders der teure Wohnraum macht es Menschen mit niedrigen Einkommen schwer.

Central Park South: Luxushotels und teure Restaurants für Manhattans Superreiche

Dienstag, 17. Mai 2011

Rundum New York

Wenn auf der Arbeit richtig viel zu tun ist, dann kommt ein Anlass zum Feiern doch wie gerufen. Heute ging der International Contemporary Furniture Fair im New Yorker Messezentrum zu Ende. Neben Möbeln, werden insbesondere Designs für Küche und Bad sowie Lampen und Lichtinstallationen präsentiert. Auch unsere Firma war vertreten. Ein Luxusausstatter für Küchen und Badezimmer zeigte auf seinem Stand Prototypen einer von Messana O’Rorke entworfenen Kollektion an Armaturen. Da gab es im Vorfeld der Messe einiges zu erledigen. Doch dann durch die Messehalle zu schlender war angenehm. Wir Praktikanten mussten uns um nichts mehr kümmern und konnten uns die Ideen anderer Firmen anschauen. Die Konkurrenz ist riesige. Auch deutsche Konzerne wie Villeroy & Boch waren vertreten. Unsere beiden Chefs waren derweil damit beschäftig Beziehungen zu knüpfen. Zusammen mit dem New Yorker Aussteller unserer Wasserhähne und Halterungen, haben sie einen Vertriebspartner gefunden. Da hat sich die Anstrengung also gelohnt.

Von der Lampe bis zur Couchgarnitur auf dem International Contemporary Furniture Fair

Eine Freundin aus meiner Kirchengemeinde hat mich am vergangenen Wochenende ins Solomon R. Guggenheim Museum eingeladen. Da habe ich mich nicht zweimal bitten lassen, denn diese berühmte Institution stand ganz oben auf meiner Liste. Das Guggenheim reiht sich ein in die „Museum Mile“, einem Teilstück der 5th Avenue mit einer großen Dichte an Kunstsammlungen und Galerien. Daneben stehen teure Apartmenthäuser mit Blick auf den Central Park. Architektonisch hebt sich "The Guggenheim" von den umstehenden rechteckigen Gebäuden deutlich ab. Der Architekt Frank Lloyd Wright wählte den Kreis als bestimmende Form. Die schneckenförmige Rampe im inneren der Rotunde gilt als Markenzeichen des Baus. Die Architektur lässt die Kunstwerke aber nicht unwichtig erscheinen, sondern bietet einen Rahmen. Zurzeit widmet sich das Guggenheim in der Sonderausstellung „The Great Upheaval“ der modernen Kunst zwischen 1910 und 1918. Diese Zeit vor und während des 1. Weltkriegs war voller Umwälzungen in Politik und Malerei. Die Kunst wurde abstrakter, es entstanden neue Kunstrichtungen wie Kubismus und Expressionismus. Diese spannende Periode wird an Hand der Werke von Kandinsky, Marc und vieler weiterer eindrucksvoll dargestellt.
Die spiralförmige Rampe in der Rotunde des Guggenheim Museums von Frank Lloyd Wright
Mein Praktikum in New York wurde mir auch durch ein Teilstipendium ermöglicht. Alle Teilnehmer an diesem Programm für ein Praxissemester im Ausland wurden vor der Ausreise zu einem Seminar mit interkulturellem Training eingeladen. So kam ich ein zweites Mal nach Bonn, wo bereits das Auswahlverfahren für das Stipendium stattgefunden hatte. Während der zweitägigen Veranstaltung erfuhren wir nicht nur viel über wichtige Kulturstandards, sondern lernten auch die anderen Studenten kennen. Bei einer Gruppenübung sollten wir eine Weltkarte aus Menschen formen, die die Zielorte der einzelnen Teilnehmer zeigte. New York und Umgebung stellten sich dabei als Ballungszentrum heraus. So bildete sich schnell eine Clique und wir tauschten unsere Adressdaten aus. In den USA angekommen, wurde der Kontakt aufgenommen. Seither treffen wir uns immer wieder an den Wochenenden. Meistens alle zwei Wochen. Es ist schön, sich mit anderen Deutschen auszutauschen und zusammen die Stadt zu entdecken.

Studenten aus Deutschland stoßen auf ihr Praktikum in den USA an, Quelle: Stefanie Behrens

Mittwoch, 11. Mai 2011

Ballett und Baseball

New York ist so faszinierend, weil es eine Stadt der Gegensätze ist. Das gilt auch für die Arten von Unterhaltung, die einem hier geboten werden. Am Dienstag war ich mit Freunden bei der wohl traditionsreichsten amerikanischen Sportveranstaltung - einem Baseballspiel. Nicht nur bei irgendeinem Baseballspiel. Sondern bei einem Spiel der New York Yankees, die so etwas wie der Rekordmeister des Schlagballs sind. Was gibt es besseres, als sich nach Feierabend mit Freunden zu treffen und einen Hotdog im Stadion zu verdrücken. Das schöne am Baseball ist ja, dass es während dem Spiel genügend Pausen gibt und man sich vernüpftig unterhalten kann. War auch ganz nützlich, um die Regeln ausführlich erklärt zu bekommen. Mit zwei guten Spielzügen sicherten sich die Yankees den Sieg gegen die Kansas City Royals und wurden von den Fans gebührend gefeiert. Auch wir haben darauf mit einem Budweiser angestoßen, dass uns der Sieg bloß nicht zu Kopfe steigt.

Mit Freunden auf meinem ersten New York Yankees Game - was wäre Amerika ohne Baseball
Von Masse zu Klasse kommt man am besten über die Klassik. Es darf auch getanzt werden. So läuft das wenigstens beim New York City Ballet. Wenn es dann noch vergünstige Tickets gibt, dann gibt es eigentlich keinen Grund mehr sich der Kultur zu verweigern. In Wahrheit hat es mich ja auch interessiert und das Programm im David H. Koch Theater, Teil des New Yorker Lincoln Centers, ist nun wirklich nicht von schlechten Eltern. Die sonntägliche Nachmittagsvorstellung begann mit Musik von Bach. In den darauf folgenden vier Sequenzen wurde die Musik und der klassische Tanz immer moderner. Es wurden fünf in sich abgeschlossene Stücke dargeboten, die einem einen tollen Einblick in das Repertoire der Ballettkompanie verschafften. Mir hat es gefallen. Zu Zeiten von Black Swan, einem Film in Anlehnung an Schwanensee, ist es ja auch so gut wie hip ins Ballett zu gehen. 

Meine Sicht auf die Bühne des David H. Koch Theater, der Heimat des New York City Ballet
Ein Festival anderer Art wurde in der ersten Maiwoche in der Lower East Side abgehalten. Es ging um Ideen für eine erneuerte und lebenswerte Stadt. Das Festival of Ideas for The New City befasste sich dabei mit Möglichkeiten der Fortbewegung, der Verringerung von Schadstoffen und der Nachhaltigkeit von städtischem Wachstum. Aber auch interessante Konzepte zur Nutzung und Gestaltung von Räumen wurden präsentiert. Darunter "the SpaceBuster", ein Lieferwagen mit aufblasbarer Multifunktionshalle. Diese war auf einem Sportplatz in einem Park aufgebaut. Hier fanden Diskussionsrunden mit Architekten, Wissenschaftlern und Philosophen statt. Da konnte der Kompressor noch so arbeiten, der Platz unter der Hülle war begrenzt. Doch auch ich schaffte es nach längerem Anstehen in die Blase und hörte den Vorträgen über die Herausforderungen, mit denen Städte heute umgehen müssen, zu. Die Lösungsansätze waren dann allerdings sehr technisch.

Festival of Ideas for The New City - Ideen für die Stadt der Zukunft und wie wir darin leben

Mittwoch, 4. Mai 2011

Maßarbeit

Im Büro sind wir sehr froh, dass nach der Wirtschaftskrise die ersten neuen Aufträge hereinkommen und unsere Firma nach turbulenten Zeiten wieder Fuß gefasst hat. Letzte Woche gab es den Startschuss für ein Projekt in Brooklyn. Es geht um die Umgestaltung eines ehemaligen Betriebsgebäudes. Das Erdgeschoss des zweistöckigen Backsteinbaus ist ein großer offener Raum, der als Werkstatt und Lagerraum diente. Im Obergeschoss gibt es zwei getrennte Bereiche, die jeweils ein kleines Apartment aufnehmen sollen. Das dazwischen liegende Flachdach wollen wir als Dachterrasse ausbauen. Als ersten Schritt ging es mit Laser und Maßband zur Vermessung des Gebäudes. Es war spannend, die 100 Jahre alte Immobilie zu erkunden. Jetzt zeichne ich die Bestandspläne am Computer.

Beim Vermessen einer ehemaligen Kfz-Werkstatt, unser neues Projekt im Stadtteil Brooklyn
Auf einer geführten Tour durch die historische Chinatown New Yorks konnte ich einen weiteren Stein im Mosaik der Stadt besser kennen lernen. In Manhattan ist es eines der wenigen verbliebenen ethnisch-geschlossenen Viertel. Es ist, als betrete man eine chinesische Enklave. Im Columbus Park treffen sich die alteingesessenen Bewohner, singen und musizieren zusammen, morgens wird sich mit Tai Chi fitgehalten und am Nachmittag spielen die Herren chinesischen Schach. Hier geht es eher geruhsam zu. Dagegen herrscht in den engen Straßen von Chinatown ein reges Treiben. Touristen und Einheimische dicht an dicht, Verkaufsstände und ab und zu ein Trauerzug einer traditionellen Beerdigung. Unsere Führer lebte in jungen Jahren mit seinen Eltern hier und zur Mittagszeit waren besonders seine Tipps zu einer guten Mahlzeit gefragt. Viele kommen wegen dem Essen und aus den vielen Restaurants und Bäckereien dringt in jedem Fall ein unwiderstehlicher Duft. Vom Fischmarkt kann man das weniger behaupten. Dafür ist die Auswahl riesig. Von lebendigen Fröschen bis zu getrockneten Meeresfrüchten kann man alles bekommen.

Die Pell Street in Manhattans Chinatown, ein Duft nach gebratener Ente und feinen Gewürzen
Am späten Sonntagabend wurde bekannt gegeben, dass der Präsident eine Fernsehansprache halten wolle. Kurz vor Mitternacht dann trat Obama vor die Presse und vermeldete für alle überraschend, dass Osama bin Laden, auf seinen Befehl hin, von einer Spezialeinheit dingfest gemacht und schließlich erschossen wurde. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Wir wurden von Bekannten meines Vermieters angerufen, jeder sprach davon. New Yorker versammelten sich an Ground Zero, um der Opfer des Terrors zu gedenken, die Nationalhymne zu singen oder einfach nur zu feiern. Man spürte eine Erleichterung bei den Menschen und gleichzeitig wurden die Erinnerungen an jenen unsäglichen Tag im September 2001 wachgerufen. Am Montag erzählte uns unser Chef, wie er vom Flachdach seines Hauses im East Village den Einschlag des zweiten Flugzeugs miterlebte und später den Einsturz des Nordturmes. Jeder in dieser Stadt verbindet ganz persönliche Erfahrungen mit dieser Galionsfigur des Terrors, Osama bin Laden. Zum 10. Jahrestag der Anschläge wird diesen September die offizielle Gedenkstätte am Standort des ehemaligen World Trade Centers eröffnet.

Ground Zero: Großbaustelle und Ort des Gedenkens an die Opfer des 11. September 2001

Montag, 25. April 2011

Nightlife

New York gilt vielen als die Stadt, die niemals schläft und sie wird sicher auch nicht müde, sich selbst zu feiern. Von Ende April bis Anfang Mai 2011 findet zum zehnten Mal das Tribeca Film Festival statt. Es wurde als Antwort auf die Anschläge vom 11. September 2001 von Schauspielern und Filmemachern gegründet und steht für die unerschütterliche Vitalität New Yorks. Das Filmfestival ist zu einer wichtigen Plattformen für junge Regisseure aus aller Welt geworden. Ich habe mich gefreut, dass ich noch eines der begehrten Tickets ergattern konnte. So ging es Sonntagabend auf nach TriBeCa zur Weltpremiere von „The Perfect Family“ mit Kathleen Turner. Vielleicht würde man diesen Film als Tragikomödie bezeichnen. Er handelt von einer Mutter und Hausfrau, die sich für den Titel „Katholische Frau des Jahres“ bewirbt. Dabei fällt ihre eigene Familie auseinander, ihr Mann ist Alkoholiker, ihr Sohn betrügt seine Ehepartnerin und ihre Tochter heiratet ihre langjährige Lebenspartnerin. Was der Bischof wohl dazu sagen würde?

Das Tribeca Film Festival 2011: Schauspieler und Produzenten von "The Perfect Family" 
TriBeCa ist ein Stadtteil Lower Manhattans und liegt unmittelbar nördlich des World Trade Centers. Der Name ist aus drei Wörtern zusammengesetzt und wird so ausgeschrieben: „Triangle Below Canal Street“. Heute zählt die Gegend zu den Trendvierteln New Yorks. Die Lofts und Apartments sind unbezahlbar und vor den ehemaligen Lagerhäusern stehen Kellner mit Fliege und warten, bis die nächsten Herrschaften vorfahren. Nicht jeder muss sich chauffieren lassen: Jay-Z und Beyoncé sind hier zu Hause und natürlich Robert De Niro, einem der Mitbegründer des Tribeca Film Festivals. Früher lag TriBeCa direkt an den geschäftigen Docks des New Yorker Hafens. Waren wurden hier umgeschlagen und Immigranten aus Europa arbeiteten in den zahlreichen Nähereien und Industriebetrieben. Seit dem der Warenverkehr mit sperrigen Containern abgewickelt wird, befindet sich der Hafen auf der anderen Seite der Bucht in New Jersey. So kamen zuerst die Künstler nach TriBeCa und richteten sich ihre Ateliers in den leerstehenden Lagerräumen ein.

TriBeCa nach einem Sommerregen: Lofts und Boutiquen, wo früher Waren gefertigt wurden

Auch in New York findet nicht jeden Abend eine Weltpremiere statt, doch es gibt auch so genug zu erleben. Mir hat der Besuch in einem Comedy Club gut gefallen. Ich war zusammen mit einer Gruppe Studenten auf der bekannten Bleecker Street unterwegs, als wir von einem Comedian in seine Show gelockt wurden. Stand-Up-Comedy ist hier in New York eine große Sache und in vielen Bars und auf kleinen Bühnen versuchen sich Komiker eine Fangemeinde aufzubauen. So hat man die Chance eine tolle Show zum kleinen Preis anzusehen. Mit ein wenig Glück oder der richtigen Planung, kann man das New Yorker Nachleben also auch ohne goldene Kreditkarte genießen. Mit einem Freund aus meiner Kirche war ich nach Feierabend im Chelsea Market unterwegs, einer Einkaufsmeile mit Restaurants und Bars. Spontan gerieten wir in eine Party eines Spirituosenherstellers. Ein DJ sorgte für Musik und gegen ein Glas Whisky aufs Haus hatten wir auch nichts.

Der Chelsea Market im Meatpacking District, einer Gegend mit angesagten Clubs und Bars

Montag, 18. April 2011

Auf der Suche

Easter Egg Hunt: Das Team der All Souls Christian Church im River Side Park, Quelle: Billy Tsou
Am Samstag haben wir die Osterwoche mit einem „Easter Egg Hunt“ für die Kinder der Upper West Side eingeläutet. Die Stadt New York hatte meiner Kirchengemeinde dafür eine abgezäunte Grasfläche mit angrenzenden Bäumen zur Verfügung gestellt. Perfekt geeignet für unsere Pläne. Auch ich wollte dem Osterhasen unter die Arme greifen und bunte Eier auf dieser Wiese im River Side Park verstecken. Es gab eine ganze Reihe von Helfern, alle an ihren gelben T-Shirts zu erkennen. Es gab Kaffee und Kuchen für die Eltern, Malen und Basteln für die Kinder. Die Eiersuche nicht zu vergessen: Wir benutzen Kunststoffeier zum Verstecken, die die Kinder gegen Süßigkeiten eintauschen konnten. So waren wir in der Lage, dieselben Eier für die weiteren Durchgänge erneut zu benutzen. Es sollten sechs Runden werden, denn unsere Einladung wurde von vielen Familien angenommen. Wir schätzen, dass 200 Kinder mit ihren Familien beim Eiersuchen dabei waren und wir würden uns freuen, den ein oder anderen bei unserem Ostergottesdienst wieder zu sehen. Es war witzig den Kinder zu zu schauen, wie sie beim Startsignal losstürmten, um sich möglichst viele Eier zu sichern. Die Kleinsten durften mit Mama und Papa auf die Jagd gehen.

Die Empfangshalle des Met: Besucher dürfen entscheiden, wie viel Eintritt angemessen erscheint
Nach der Veranstaltung für die Nachbarn und Freunde unsere Gemeinde fing es an zu regnen und für mich hieß das, auf ins Museum! Schnell ging es zur nächsten Bushaltestelle, um von der West Side zur East Side zu wechseln. Ich hatte mich nämlich zu einem Besuch des Metropolitan Museum of Art entschieden, das am östlichen Rand des Central Parks liegt. Heftiger wurde der Regen und ich war froh, dass die Warteschlange nicht schon vor dem Gebäude begann. In der Eingangshalle allerdings drängten sich die Besucher und ich hatte Zeit zu überlegen, wie man sich einem so umfangreichen Museum am besten näher könnte. Beginnen wollte ich mit der Ägyptischen Sammlung und hier alleine hätte ich Stunden verbringen können. Da hatte ich mir die richtige Abteilung ausgesucht und war begeistert von all den Schätzen. Das Met gilt als das Museum mit der bedeutendsten kunsthistorischen Sammlung. Von arabischer bis ozeanischer Kunst ist alles vertreten: Skulpturen, Alltagsgegenstände und ganze Gebäudeanlagen werden ausgestellt. Nach vier Stunden war ich erschöpft und habe mir erst mal ein Eis genehmigt – auch ein Hochgenuss.

Der Central Park im Frühling: Es blüht und grünt und Wasserschildkröten nehmen ein Sonnenbad
Nach dem samstäglichen Regen, schien am Sonntag den ganzen Tag die Sonne. Super, die warmen Tage häufen sich! Der Frühling ist da und ich habe mich endgültig in die Stadt am Hudson River verliebt. Nach einem langen Winter explodiert nun das Leben – ein schönes Bild für das anstehende Osterfest. In den Parks und auf den Plätzen treffen sich die Leute, machen Musik oder halten sich mit Sport fit. In jedem Fall heißt es raus aus den engen Apartments und das Wetter genießen. Letzte Woche habe ich während der Arbeitszeit einige Botengänge erledigt und konnte so die Stimmung auf den Straßen erleben. Nach Feierabend habe ich mir mit einem Freund eine Bar mit Dachterrasse ausgesucht, um den Donnerstag gemütlich ausklingen zu lassen. So suche ich den Ausgleich zwischen Praktikum und dem Frühlingserwachen in New York City. Ich wünsche euch allen gesegnete Ostern!

Das Restaurant "Ocean Grill" auf der Columbus Avenue, begehrte Plätze für ein Mittagessen