Donnerstag, 24. März 2011

Großstadtwochenende

Letztes Wochenende war ich mit einer Gruppe von meiner neuen Gemeinde, der All Souls Christian Church, bei einem Einsatz von Habitat for Humanity mit dabei. Wir waren an der Renovierung eines Community Centers beteiligt, das vor allem als Schülerhort benutzt wird. Dort können Kinder nach der Schule ihre Hausaufgaben machen und bekommen eine warme Mahlzeit, wenn ihre Eltern bis spät arbeiten oder klamm bei Kasse sind. Es war schön auf diese Weise etwas von dem zurück zu geben, was Gott mir geschenkt hat. So machten wir uns an die Malerarbeiten. Mein Team war für die Details zuständig, wir pinselten fleißig rote Wirbel und blaue Blasen an die Wände. Mit ein wenig Übung sah das dann auch recht schick aus. Auf diese Weise bekam der Gruppenraum einen neuen Anstrich.

Einsatz im Community Center: Habitat for Humanity - Brush with Kindness, Quelle: Sonia Turner
Ich bin wirklich dankbar, eine Kirche für mich gefunden zu haben, die so familiär ist und sich sozial engagiert. In der Gemeinde habe ich unter anderem einen Touristenführer kennen gelernt, der Touren zu den verschiedensten Sehenswürdigkeiten New Yorks anbietet. Als er hörte, dass ich Architektur studiere, hat er mich auf eine seiner Gruppenführungen durch Midtown eingeladen. Noch am Sonntagnachmittag machten wir uns auf einen dreistündigen Spaziergang mit Vorträgen zu Bauwerken und der Geschichte Manhattans. Mein persönliches Highlight war der Grand Central Terminal, der große Bahnhof an der 42nd Street. Mit 67 Gleisen ist er der größte Bahnhof der Welt und beherbergt neben den Gleisanlagen Restaurants, Geschäfte und eine Markthalle. Die Tour führte uns außerdem zum Times Square, der St. Patrick's Cathedral und dem Rockefeller Center. Ich konnte also viel lernen und New York aus der Sicht eines Einheimischen erleben.

Die Haupthalle des Grand Central Terminals heißt die Pendler aus den Vororten willkommen
Es war überhaupt ein ausgefülltes Wochenende. Am Freitagabend traf ich mich mit zwei Bekannten aus Deutschland, die ich in Bonn kennen gelernt hatte. Die zwei gehörten auch zu den Glücklichen, die ein Stipendium für ihr Praxissemester bekommen haben. Wir verabredeten uns auf ein Bier in Williamsburg, einem Stadtteil von Brooklyn. Seit meiner Ankunft vor vier Woche, hatte ich es nur einmal aus Manhattan heraus geschafft. Dabei hat New York noch vier andere Boroughs. Es bot sich also an, dass wir unsere Mitstreiterin über dem East River besuchten. Williamsburg hat ein quirliges Nachleben mit vielen Bars und Restaurants. Es war super, die beiden näher kennen zu lernen und zusammen zwei Kneipen auszuprobieren. In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute mit einer nächtlichen Ansicht von New Yorks Skyline. Viele Grüße aus Manhattan!

Freitag, 18. März 2011

St. Patrick's Day

Am Donnerstag war die ganze Stadt wie verändert. Das Thermometer kratzte an der 20-Grad-Marke und meine Mittagspause verbrachte ich auf einer Parkbank auf dem Tompkins Square im East Village. In den Straßen hörte man Musik und die ersten Sonnenhungrigen lagen auf den Grasflächen der Parks. Aber es waren nicht nur die Frühlingsgefühle, die die Stadt zum Kochen brachten. Nein, denn heute war New York in irischer Hand. Könnte man jedenfalls so sagen. Überall waren Kleeblätter zu sehen, Pubs und Restaurants warben mit irischem Bier und auf der 5th Avenue wartete alles auf den großen Umzug.

 Vor der großen Parade: Morgendliche Besprechung der Polizei auf der 5th Avenue

Empire State Building
Wie könnte es anders sein, es ist St. Patrick's Day!
Nun ist dieser Tag ein normaler Arbeitstag in den USA, doch alle Amerikaner mit irischer Abstammung erheben diesen Tag zum zweiten Nationalfeiertag und der Rest des Landes feiert einfach mit. Die berühmte Parade zu Ehren des irischen Nationalheiligen mit Polizeiabordnungen und Marschkapellen konnten wir uns nicht ansehen, da wir bei uns im Büro fleißig gearbeitet haben. Aber nach der Arbeit waren wir mit allen Kollegen zusammen im überfüllten Pub um die Ecke und haben uns ein Guinness zum Feierabend genehmigt. Auch vor den Bars war viel los, die laute Folkmusik drang sowieso nach draußen. Viele Feierlustige mit grünen Hütten oder Kleeblattketten um den Hals waren unterwegs und verbreiteten gute Laue.

Das Empire State Building wird zu den verschiedenen Festen und Feiertagen unterschiedlich beleuchtet. Am St. Patrick's Day wird die Spitze des Wolkenkratzers traditionell in Grün angestrahlt. Am 3. Oktober leuchtet diese übrigens in Schwarz-Rot-Gold, dem Tag der Deutschen Einheit. Happy St. Patrick's Day!

Montag, 14. März 2011

New Alltag

Die ersten drei Wochen in New York sind wie im Flug vergangen. Der anfängliche Winter kehrt sich in Frühling um und es mach großen Spaß die Stadt zu entdecken. Das Entdecken beschränkt sich in zwischen auf die Wochenenden, wird aber umso intensiver genossen. An den Wochentagen wird fleißig gearbeitet. Das Schöne ist, dass ich das Gefühl habe angekommen zu sein: Ich finde mich gut zurecht, mein Tagesablauf hat sich eingespielt und ich habe die ersten Bekanntschaften gemacht. Dazu habe ich jetzt unter der Woche auch einen Ausgleich für die Arbeit. Letzten Dienstag entschied ich mich für die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Der Club hat 15 Standorte in New York und einer davon ist nur wenige Schritte von meinem Arbeitsplatz entfernt.

Der Central Park im März - so langsam steigen die Temperaturen
Ich glaube, Sport wird mir diese Woche gut tun. Mein Chef ist mit einem potenziellen Klienten für eine Woche in Europa unterwegs und so haben wir im Büro detaillierte Arbeitsaufträge bekommen. Ich werde „Renderings“ für einen Architektur-Wettbewerb in China vorbereiten. Renderings sind Computergrafiken, die ein geplantes Gebäude fotorealistisch darstellen.  Es geht um eine Grundschule in der 2008 von einem Erdbeben zerstörten Provinz Sichuan. Mein Büro versucht im Moment verschiedene Aufträge an Land zu ziehen und da sind Praktikanten natürlich eine gute Hilfe bei zeitaufwändigen Vorgängen. Ich bin aber dankbar für die Erfahrungen, die ich hier sammeln darf.

MoMA: Die 54th Street und der Sculpture Garden, der Innenhof des Museums
Eine andere tolle Sache an unserem Büro sind die Mitgliedsausweise für diverse New Yorker Museen, welche einer Dauerkarte gleichkommen. Am Wochenende war ich viel unterwegs und eine meiner Stationen war das MoMA, das Museum of Modern Art in Midtown Manhattan. Hier gibt es immer eine Wechselausstellung zum Thema „Architektur und Design“. Es kann wohl kein Zufall sein, dass auch ein Architekturmodell der neuen Karlsruher Hochschul-Mensa ausgestellt war. Bei schönem Wetter zog es mich dann aber erneut in den Central Park, der an Wochenende mit Jogger und Radfahrern bevölkert ist. Später durchquerte ich die Innenstadt entlang der 5th Avenue und beendete meinen Tag im Grand Central Terminal, dem großen Bahnhof an der ebenso berühmten 42nd Street.

Die 5th Avenue auf Höhe der New York Public Libray, den Blick nach Norden gerichtet
Midtown ist laut und geschäftig. Gerade diese Woche wurden neue tieffrequente Polizeisirenen eingeführt. Diese kann man nicht nur hört, sondern auch am ganzen Körper spüren. Damit soll erreicht werden, dass man auch mit Knopf im Ohr mitbekommt, wenn ein Einsatzwagen angerauscht kommt. Hier in Washington Heights, meinem Wohnviertel, ist es weniger hektisch. Es ist der höchstgelegene Stadtteil von Manhattan, so hat man automatisch einen gewissen Abstand. Er ist geprägt von seinen Bewohnern aus der Karibik mit ihren Supermärkten, Restaurant und Festen, sowie dem gewaltigen New York Presbyterian Hospital, einem der größten Krankenhäuser der Welt.  Von hier führt aber auch die George Washington Bridge 1.500 m über den Hudson River und verbindet so Manhattan mit New Jersey, auf der gegenüberliegenden Seite des großen Stroms. Diese habe ich am Samstag bis zur Hälfte überquert und von dort oben meinen Blick über den Fluss und die Skyline von New York schweifen lassen. Mit diesem Blick verabschiede ich mich für heute, viele Grüße aus New York und bis zu meinem nächsten Eintrag!

Der Hudson und die Skyline von Manhattan von der George Washington Bridge aus gesehen

Samstag, 5. März 2011

Kunst und Krempel

Diese Woche hat mein Praktikum bei Messana O’Rorke Architects angefangen. Am Dienstag war mein erster Arbeitstag. Dieser Tag war dem Kennenlernen gewidmet und ich durfte gegen 11:00 Uhr ins Büro kommen. Mittags sind wir alle zusammen Essen gegangen. Für gewöhnlich beginnen wir um 9:00 Uhr und machen um 18:00 Uhr Feierabend. Wenn viel zu tun ist, geht es auch mal bis 19:00 Uhr. Meine Chefs haben ihren eigenen Stil und hohe Ansprüche an ihre Arbeit. Diese Art zu arbeiten möchten sie ihren Praktikanten mitgeben. Brian Messana war für eine Zeit Dozent an der bekannten Columbia University und hat aus dieser Zeit wahrscheinlich den Elan mitgenommen, uns viel beizubringen. Mit mir ist noch ein weiterer Student im Büro beschäftigt, Tom aus Großbritannien. Er ist eine große Hilfe und hat mir eine gute Einführung in meinen Arbeitsplatz gegeben. Mir ist unteranderem das Apple-Betriebssystem nicht ganz geläufig und auch andere Software, die wir hier täglich benutzen. Die ersten Tage waren anstrengend, ich musst mich anpassen und viel Neues aufnehmen. Doch ich habe sehr nette Kollege und fühle mich wohl. Für gute Stimmung sorgen auch die zwei Terrier, die unsere Firma unsicher machen. Bei Stress hilft es, die Hunde zu streicheln oder mit ihnen etwas zu spielen. Einer ist noch ein Welpe.

Unser Gebäude (vor dem Eingang steht der Mini) in der 10th Street im East Village
Wegen der Wirtschaftkrise musste die Firma ihre Büros in Chelsea aufgeben und hat nun ein Apartment im East Village als Architekturbüro umgestaltet. In unserem Viertel gibt es hauptsächlich Wohnbebauung mit vielen kleinen Geschäften und Restaurants im Erdgeschoss. Nach Feierabend ist viel los, Leute gehen aus, die Cafés sind gut gefüllt und ab und an stauen sich die Taxis in den engen Straßen des East Village. Der Stadtteil ist gerade sehr angesagt und mir gefällt die Atmosphäre sehr. Gebäude werden renoviert und neue Apartments gebaut. Man könnte also von einem kreativen Umfeld sprechen.

Auf der Kunstmesse "The Armory Show" auf den Piers 92 und 94 am Hudson River
Mein Arbeitsalltag besteht aus Arbeiten am Computer. Wir Praktikanten erstellen Zeichnungen und modellieren 3D-Ansichten am Bildschirm. Ich glaube, das wird mir ab und zu etwas öde werden. Doch es gibt einen Lichtblick, sogar mehrere: Gelegentlich werden wir Praktikanten  zu unseren Baustellen geschickt, um Fotos zu machen. Außerdem gibt es auch nette Aktivitäten nach Feierabend. Unser Chef möchte uns  immer mal wieder auf Ausstellungen und Vernissagen mitnehmen. Ist natürlich spitze, dass wir auf diese Weise einen Einblick in die Kunst- und Architekturszene bekommen. Am Samstag hatten wir gleich die Möglichkeit bei einer großen Kunstmesse in New York dabei zu sein. Auf The Armory Show stellen Galerien aus aller Welt ihre Gemälde, Photographien und Skulpturen aus. Die Messe findet jährlich in zwei großen Lagerhallen am Hudson River statt und ist ein Anziehungspunkt für Kunstliebhaber aus den gesamten USA. In dieser Stadt wird in dieser Hinsicht sowieso viel geboten. Ich bin dankbar, dass ich ein halbes Jahr hier sein darf.