Donnerstag, 30. Juni 2011

Summer in the City

Im Sommer wird New York City zur Bühne für alle Selbstdarsteller und Vergnügungslustigen. Eine bunte Mischung aus verschiedensten Kulturen, Lebenskonzepten und Religionen. Da sitzen orthodoxe Juden neben Hippies auf der Parkbank. In den Grünanlagen treffen sich Musiker und unterhalten Touristen wie Anwohner mit improvisierten Stücken. Zu den verschiedenen Feiertagen und Festen zieht zudem eine Parade über die 5th Avenue. Die durfte auch am letzten Sonntag nicht fehlen. Am 26. Juni fand der alljährliche Gay Pride Day statt, der in Deutschland auch unter dem Namen “Christopher Street Day” bekannt ist. Die Christopher Street in New York war Schauplatz eines Aufstands von Homosexuellen. Die Polizei ging damals mit einiger Härte gegen die Demonstranten vor und seit diesem Vorfall im Sommer 1969 entwickelte sich eine weltweite Bewegung der Schwulen und Lesben. Höhepunkt ist die Parade am Gay Pride Day, die halb Demonstration, halb Karnevalsumzug ist. Auch ich habe mir das mehr oder weniger wilde Treiben angesehen.

Die Gay Pride Parade mit schrillen Kostümen und dröhnender Musik zieht die 5th Avenue hinunter

In der Stadt reiht sich zwischen Juni und September ein Highlight an das andere. Freilichtkino auf den Piers am Hudson River, Konzerte in verschiedenen Parks und Theateraufführungen zählen zu den unzähligen kostenlosen Veranstaltungen. Es gibt viele Möglichkeiten seinen Feierabend zu verbringen! Will man den Menschenmassen entgehen, dann sucht man sich ein ruhiges Plätzchen im Central Park. Natürlich nicht gerade da, wo alle für „Shakespeare in the Park“ anstehen. Ein paar Freunde sollten aber nicht fehlen. Da bin ich froh, dass meine Gemeinde für mein geistliches, aber auch mein leibliches Wohl da ist. Nicht nur gefällt mir der Gottesdienst sehr, wir gehen sonntags oft zusammen Mittagessen oder treffen uns eben zum abendlichen Picknick im Park. Es ist toll, dass ich in diesem Freundeskreis mit dabei sein kann. Am Samstagabend dann darf es ruhig ein Konzert sein. Ein befreundeter Praktikant aus Deutschland wohnt und arbeitet in Brooklyn und hat mich mit zu einem Festival im Prospect Park genommen.
"Celebrate Brooklyn!" im Prospect Park bietet den ganzen Sommer kostenlose Festivalstimmung
Doch was gibt es besseres, als an einem lauen Sommerabend am Fluss zu sitzen und die Skyline am anderen Ufer zu bewundern. In Brooklyn und Queens gibt es einige schöne Uferpromenaden mit Blick auf die Hochhäuser von Manhattan. Neu entdeckt habe ich die Williamsburg Waterfront, ein vor kurzem eröffneter Park am East River. Definitiv die lange Fahrt mit der U-Bahn wert! Leider bringt es der Sommer auch mit sich, dass Studenten nach Hause in die Ferien fahren, mit denen man gut befreundet war. Auch in unserem Büro heißt es Abschied nehmen. Wir Praktikanten werden neu durchgemischt. Unser Mitstreiter aus England wird uns verlassen, der sein Praktikum im vergangen Jahr angefangen hatte. Mit ihm verstehe ich mich sehr gut, wir haben in der Firma immer zusammen gehalten und viel privat unternommen. Das wird eine Umstellung: Ich bin jetzt der dienstälteste Praktikant und mal sehen, mit wem ich das nächste Mal am East River sitzen werde.

Die Williamsburg Waterfront in Brooklyn mit großartigem Blick auf die Skyline von Manhattan

Donnerstag, 23. Juni 2011

Sonne, Strand und mehr

Die vergangenen zwölf Tage hatte ich Besuch von einem guten Freund aus der Heimat und dazu die ganze Pfingstwoche frei. Diese Kombination war wie ein Versprechen auf einige spannende Tage. Schön, wieder einmal wie ein Tourist durch die Stadt zu streifen und New Yorks Attraktionen zu besichtigen. Davon gibt es reichlich und so hatten wir ein straffes Programm vor uns. Mit Freuden habe ich den Stadtführer gegeben, um meinem Gast einen umfassenden Eindruck von New York City zu verschaffen. Da kamen täglich einige Kilometer Fußmarsch zusammen. Da war es gut, dass wir uns abends im Baseballstadion oder Musicaltheater einfach setzen und zuschauen konnten. Zwei Dinge haben mir bei unserer Tour besonders gut gefallen: Die Bootsrundfahrt mit der Circle Line um ganz Manhattan und die Aussicht vom obersten Stockwerk des Rockefeller Centers.

Blick von der Aussichtsplattform des Rockefeller Centers in Midtown Manhattan
Im lauten, hecktischen New York sind wir nicht die ganze Zeit geblieben. Schon ein wenig ruhiger ging es im sommerlichen Washington zu, das wir mit dem Greyhound Expressbus in vier Stunden erreichten. Vom Busbahnhof war es nur ein Steinwurf zum Capitol Hill mit dem gewaltigen Parlamentsgebäude, dem Obersten Gerichtshof und der Kongressbibliothek. Unter der im Sonnenlicht glänzenden Kuppel des Kapitols, bestaunten wir die weitläufigen Parkanlagen und die bis an die Zähne bewaffneten Sicherheitsbeamten. Unsere Mittagspause verbrachten wir in der alten Hauptpost, die heute Restaurants und Geschäfte beherbergt. Vom Turm des ehrwürdigen Gebäudes hat man einen tollen Blick über das Regierungsviertel. Dann ging es die Pennsylvania Avenue hinunter bis zum Weißen Haus, dem Sitz des Präsidenten. Von dort liefen wir hinüber zur Mall, die die Hauptachse durch die Stadt bildet. Die parkähnliche Anlage beherbergt Denkmäler für Präsidenten und gefallene Soldaten, sie ist gesäumt von zahlreichen Museen und öffentlichen Einrichtungen. Einen ausgedehnten Spaziergang und ein Eis später waren wir zurück am Bahnhof. Die sieben Stunden in Amerikas Hauptstadt waren gefüllt mit vielen neuen Eindrücken, sodass uns im Bus die Augen zu fielen. New York hatte uns gegen Mitternacht wieder.

Vor dem Weißen Hause, dem Amtssitz des Präsidenten der Vereinigen Staaten
Richtig entspannen konnten wir uns hingegen bei einem Tagesausflug an den Strand von Southampton. Zuvor ging es mit dem Zug raus aus der Stadt und auf das grüne Long Island, das sich von New York im Süden 190 km entlang der Atlantikküste erstreckt. Die Hamptons im Nordosten der Insel gelten als das Wochenendrefugium der reichen New Yorker. Bis auf einen Blick in deren Vorgarten oder das Zählen von deutschen Luxuslimosienen kamen wir ihnen aber nicht viel näher. Hautnah konnten wir dafür den kilometerlangen Strand erleben. Mit den Füßen im Wasser, dem beruhigenden Rauschen der Brandung im Ohr und genügend Sonnencreme auf der Haut verbrachten wir den Nachmittag am Meer. Auch bewunderten wir die Surfer, die so ziemlich die Einzigen waren, die sich in die tosende Brandung wagten. Die Kraft des Ozeans fasziniert mich ungemein. Gott sei Dank ist außer den Wellen nichts gebrochen. Überhaupt bin ich Gott dankbar für diese ausgefüllten Tage!

Sonne satt, Sandstrand und hohe Welle im schicken Southampton auf Long Island

Donnerstag, 9. Juni 2011

Auf Achse

„Upstate“ nennen die New Yorker den nördlichen Teil ihres Bundesstaates. Dieser reicht bis an die Grenze zu Kanada und hat nicht viel gemein mit New York City, dem südlichen Zipfel von New York State. Große Teile des Staates sind dünn besiedelt. Es gibt Landwirtschaft und einzelne Industriestandorte. Das Landschaftsbild ist hauptsächlich von Bergen, Wäldern und Gewässern wie dem Hudson River und den Finger Lakes geprägt. Auch die Hauptstadt Albany, drei Autostunden von New York City entfernt, liegt in Upstate. Ganz in der Nähe habe ich mein letztes Wochenende verbracht. Mein Chef hat uns Praktikanten auf eine Museumstour mitgenommen und uns zum Grillen auf sein Wochenendhaus "Ten Broeck" eingeladen. Das kleine Landhaus stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde von holländischen Siedlern errichtet. Mein Chef hat das Cottage vor wenigen Jahren vor dem Verfall gerettet und durch einen modernen Anbau erweitert, der viel Lob erfuhr. Das Grundstück liegt inmitten einer Apfelplantage und an einem plätschernden Bach.

Ten Broeck Cottage wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von holländischen Siedlern errichtet
Unser Roadtrip führte uns auch in einen benachbarten Bundesstaat. Das in North Adams gelegene Massachusetts Museum of Contemporary Art (MASS MoCA) hat mir auf unserer Tour am besten gefallen. Fabrik- und Lagerhallen wurden hier zu Ausstellungsräumen umgestaltet. Das Platzangebot in den ausgedehnten Industriegebäuden und die großen Fensterflächen ergeben ein Raumgefühl, das nur wenige Museen bieten können. Auch die gewaltigen Installationen der deutschen Künstlerin Katharina Grosse finden hier ausreichend Platz (siehe Foto). MASS MoCA beherbergt neben mehreren Wechselausstellungen auch eine Dauerausstellung zum Lebenswerk des verstorbenen Künstlers Sol LeWitt. Dieser ist für seine geometrischen Formen und die von ihm entwickelten Farbkompositionen bekannt.

Ein Kunstmuseum auf einem ehemaligen Industriegelände, das MASS MoCA in Massachusetts
Die Sommersonnenwende kündigt sich in New York schon frühzeitig an. An einem Tag Ende Mai berührt die Sonnenscheibe den Horizont genau in Achse zum New Yorker Straßennetz. Die von Ost nach West verlaufenden Querstraßen geben den Blick frei auf die untergehende Sonne. Manhattan wird so vom Hudson bis zum East River mit den goldenen Strahlen der Abendsonne geflutet. Dazu bieten die Straßenschluchten den perfekten Rahmen für den Sonnenuntergang und verstärken so den Effekt. Ein zweites Mal findet dieses Schauspiel Anfang Juli statt, wenn die Tage wieder kürzer werden. Ich habe also noch einmal die Chance für ein Foto. Die Aufnahme für diesen Blogeintrag entstand wenige Tage nach dem eigentlichen Datum. Man kann dennoch erahnen, wie eindrucksvoll dieses Ereignis ist. Aber auch so heizt uns die Sonne in den letzten Tagen kräftig ein. Donnerstag erwarten wir 38°C und am Abend ein schönes Gewitter, das die Temperaturen wieder nach unten bringt.

Manhattanhenge: Zweimal im Jahr geht die Sonnen in Achse zu New Yorks Querstraßen unter 

Donnerstag, 2. Juni 2011

Wo alles begann ...

Am vergangenen Wochenende ging es mit dem Greyhound Expressbus auf zu einem Städtetrip nach Boston. Einer Stadt, die den Charme Neuenglands mit der Geschäftigkeit einer Metropole verbindet. Die Halbinsel, auf der sich die Innenstadt befindet, ist zwischen den Wassern des Charles Rivers und des Hafens in der Massachusetts Bay gelegen. Das Stadtbild würde ich vielerorts als elegant und gepflegt bezeichnen, ganz besonders im direkten Vergleich zum hektischen New York. Die Bostonians sind stolz auf ihre historischen Viertel, wie dem Beacon Hill, mit seinen malerischen Stadthäusern. Mit Sicherheit profitiert Boston auch von den weltbekannten Bildungseinrichtungen in Cambridge, auf der anderen Seite des Charles Rivers. Neben dem MIT mit den Schwerpunkten Technologie und Forschung, ist dort auch der Campus der Harvard University zu finden, die sich u.a. den Geisteswissenschaften und der Wirtschaftslehre verschrieben hat. Beide Hochschulen zählen zu den besten des Landes. Präsident Obama höchstpersönlich studierte Jura in Harvard und war Präsident der Harvard Law Review, einer rechtswissenschaftlichen Zeitschrift. Kein Wunder, dass man den Sitz der Zeitung „kleines Weißes Haus“ nennt.

Die Longfellow Bridge verbindet Boston über den Charles River mit Cambridge
Dank einer Freundin, die einige Zeit in Boston gelebt hat, bekam ich Einblicke aus erster Hand. Kennen gelernt hatte ich sie in meiner Kirchengemeinde in New York. Als sich herausstellte, dass sie die bereits angebrochenen Semesterferien in Neuengland verbringt und am gleichen Wochenende in Boston sein würde, war die Stadtführung schon gebucht. Was sie mit Begeisterung gemacht hat - ich will ja niemandem zur Last fallen. Zu Fuß und mit der U-Bahn ging es quer durch die Stadt und wir haben wirklich viel gesehen. Von der städtischen Bibliothek, bis hin zum Eis in Little Italy war alles dabei. Eine kleine Abkühlung bei sommerlichem Wetter war auch mehr als willkommen. Besonders gut hat es mir da am Wasser gefallen, mit einer erfrischenden Brise und Parkbänken an der Uferpromenade.

Das nächtliche Boston aus dem 50. Stockwerk des Prudential Towers gesehen

Das verlängerte Wochenende in Boston wurde mir durch den Memorial Day am Montag ermöglicht. An diesem Tag gedenkt Amerika seinen gefallen Soldaten. Dazu fanden in der Stadt verschieden Veranstaltungen statt. Es gab einen Marathon in Erinnerung an im Dienst ums Leben gekommene Polizisten und eine Gedenkstätte mit einer Flagge für jeden gefallen Soldaten aus Massachusetts. Boston hat eine lange Tradition in der Ehrung seiner Helden. Der berühmt gewordene Protest „Boston Tea Party“ von 1773, stellt ein Schlüsselereignis im Widerstand gegen die englische Kolonialmacht dar. Wenig später wurde der erste Kontinentalkongress der amerikanischen Kolonien einberufen und 1775 begann nahe Boston der Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien. In Boston finden sich viele Spuren aus dieser Zeit und dem „Freedom Trail“ folgend, kann man die amerikanische Revolution und die Überwindung der Sklaverei besser kennen lernen.
Jede Flagge am Flagstaff Hill steht für einen gefallen Soldaten aus Massachusetts