Montag, 25. April 2011

Nightlife

New York gilt vielen als die Stadt, die niemals schläft und sie wird sicher auch nicht müde, sich selbst zu feiern. Von Ende April bis Anfang Mai 2011 findet zum zehnten Mal das Tribeca Film Festival statt. Es wurde als Antwort auf die Anschläge vom 11. September 2001 von Schauspielern und Filmemachern gegründet und steht für die unerschütterliche Vitalität New Yorks. Das Filmfestival ist zu einer wichtigen Plattformen für junge Regisseure aus aller Welt geworden. Ich habe mich gefreut, dass ich noch eines der begehrten Tickets ergattern konnte. So ging es Sonntagabend auf nach TriBeCa zur Weltpremiere von „The Perfect Family“ mit Kathleen Turner. Vielleicht würde man diesen Film als Tragikomödie bezeichnen. Er handelt von einer Mutter und Hausfrau, die sich für den Titel „Katholische Frau des Jahres“ bewirbt. Dabei fällt ihre eigene Familie auseinander, ihr Mann ist Alkoholiker, ihr Sohn betrügt seine Ehepartnerin und ihre Tochter heiratet ihre langjährige Lebenspartnerin. Was der Bischof wohl dazu sagen würde?

Das Tribeca Film Festival 2011: Schauspieler und Produzenten von "The Perfect Family" 
TriBeCa ist ein Stadtteil Lower Manhattans und liegt unmittelbar nördlich des World Trade Centers. Der Name ist aus drei Wörtern zusammengesetzt und wird so ausgeschrieben: „Triangle Below Canal Street“. Heute zählt die Gegend zu den Trendvierteln New Yorks. Die Lofts und Apartments sind unbezahlbar und vor den ehemaligen Lagerhäusern stehen Kellner mit Fliege und warten, bis die nächsten Herrschaften vorfahren. Nicht jeder muss sich chauffieren lassen: Jay-Z und Beyoncé sind hier zu Hause und natürlich Robert De Niro, einem der Mitbegründer des Tribeca Film Festivals. Früher lag TriBeCa direkt an den geschäftigen Docks des New Yorker Hafens. Waren wurden hier umgeschlagen und Immigranten aus Europa arbeiteten in den zahlreichen Nähereien und Industriebetrieben. Seit dem der Warenverkehr mit sperrigen Containern abgewickelt wird, befindet sich der Hafen auf der anderen Seite der Bucht in New Jersey. So kamen zuerst die Künstler nach TriBeCa und richteten sich ihre Ateliers in den leerstehenden Lagerräumen ein.

TriBeCa nach einem Sommerregen: Lofts und Boutiquen, wo früher Waren gefertigt wurden

Auch in New York findet nicht jeden Abend eine Weltpremiere statt, doch es gibt auch so genug zu erleben. Mir hat der Besuch in einem Comedy Club gut gefallen. Ich war zusammen mit einer Gruppe Studenten auf der bekannten Bleecker Street unterwegs, als wir von einem Comedian in seine Show gelockt wurden. Stand-Up-Comedy ist hier in New York eine große Sache und in vielen Bars und auf kleinen Bühnen versuchen sich Komiker eine Fangemeinde aufzubauen. So hat man die Chance eine tolle Show zum kleinen Preis anzusehen. Mit ein wenig Glück oder der richtigen Planung, kann man das New Yorker Nachleben also auch ohne goldene Kreditkarte genießen. Mit einem Freund aus meiner Kirche war ich nach Feierabend im Chelsea Market unterwegs, einer Einkaufsmeile mit Restaurants und Bars. Spontan gerieten wir in eine Party eines Spirituosenherstellers. Ein DJ sorgte für Musik und gegen ein Glas Whisky aufs Haus hatten wir auch nichts.

Der Chelsea Market im Meatpacking District, einer Gegend mit angesagten Clubs und Bars

Montag, 18. April 2011

Auf der Suche

Easter Egg Hunt: Das Team der All Souls Christian Church im River Side Park, Quelle: Billy Tsou
Am Samstag haben wir die Osterwoche mit einem „Easter Egg Hunt“ für die Kinder der Upper West Side eingeläutet. Die Stadt New York hatte meiner Kirchengemeinde dafür eine abgezäunte Grasfläche mit angrenzenden Bäumen zur Verfügung gestellt. Perfekt geeignet für unsere Pläne. Auch ich wollte dem Osterhasen unter die Arme greifen und bunte Eier auf dieser Wiese im River Side Park verstecken. Es gab eine ganze Reihe von Helfern, alle an ihren gelben T-Shirts zu erkennen. Es gab Kaffee und Kuchen für die Eltern, Malen und Basteln für die Kinder. Die Eiersuche nicht zu vergessen: Wir benutzen Kunststoffeier zum Verstecken, die die Kinder gegen Süßigkeiten eintauschen konnten. So waren wir in der Lage, dieselben Eier für die weiteren Durchgänge erneut zu benutzen. Es sollten sechs Runden werden, denn unsere Einladung wurde von vielen Familien angenommen. Wir schätzen, dass 200 Kinder mit ihren Familien beim Eiersuchen dabei waren und wir würden uns freuen, den ein oder anderen bei unserem Ostergottesdienst wieder zu sehen. Es war witzig den Kinder zu zu schauen, wie sie beim Startsignal losstürmten, um sich möglichst viele Eier zu sichern. Die Kleinsten durften mit Mama und Papa auf die Jagd gehen.

Die Empfangshalle des Met: Besucher dürfen entscheiden, wie viel Eintritt angemessen erscheint
Nach der Veranstaltung für die Nachbarn und Freunde unsere Gemeinde fing es an zu regnen und für mich hieß das, auf ins Museum! Schnell ging es zur nächsten Bushaltestelle, um von der West Side zur East Side zu wechseln. Ich hatte mich nämlich zu einem Besuch des Metropolitan Museum of Art entschieden, das am östlichen Rand des Central Parks liegt. Heftiger wurde der Regen und ich war froh, dass die Warteschlange nicht schon vor dem Gebäude begann. In der Eingangshalle allerdings drängten sich die Besucher und ich hatte Zeit zu überlegen, wie man sich einem so umfangreichen Museum am besten näher könnte. Beginnen wollte ich mit der Ägyptischen Sammlung und hier alleine hätte ich Stunden verbringen können. Da hatte ich mir die richtige Abteilung ausgesucht und war begeistert von all den Schätzen. Das Met gilt als das Museum mit der bedeutendsten kunsthistorischen Sammlung. Von arabischer bis ozeanischer Kunst ist alles vertreten: Skulpturen, Alltagsgegenstände und ganze Gebäudeanlagen werden ausgestellt. Nach vier Stunden war ich erschöpft und habe mir erst mal ein Eis genehmigt – auch ein Hochgenuss.

Der Central Park im Frühling: Es blüht und grünt und Wasserschildkröten nehmen ein Sonnenbad
Nach dem samstäglichen Regen, schien am Sonntag den ganzen Tag die Sonne. Super, die warmen Tage häufen sich! Der Frühling ist da und ich habe mich endgültig in die Stadt am Hudson River verliebt. Nach einem langen Winter explodiert nun das Leben – ein schönes Bild für das anstehende Osterfest. In den Parks und auf den Plätzen treffen sich die Leute, machen Musik oder halten sich mit Sport fit. In jedem Fall heißt es raus aus den engen Apartments und das Wetter genießen. Letzte Woche habe ich während der Arbeitszeit einige Botengänge erledigt und konnte so die Stimmung auf den Straßen erleben. Nach Feierabend habe ich mir mit einem Freund eine Bar mit Dachterrasse ausgesucht, um den Donnerstag gemütlich ausklingen zu lassen. So suche ich den Ausgleich zwischen Praktikum und dem Frühlingserwachen in New York City. Ich wünsche euch allen gesegnete Ostern!

Das Restaurant "Ocean Grill" auf der Columbus Avenue, begehrte Plätze für ein Mittagessen 

Montag, 11. April 2011

Stadt, Meer, Fluss

Immer wieder hat es mich in den letzten Wochen ans Wasser gezogen. Es ist auch nicht weiter schwer dorthin zu gelangen, da New York von Wasser umgeben ist. Der Hudson River, die Bucht vor der Stadt mit Hafen und Freiheitsstatue, sowie die Strände des Atlantiks, sind alle innerhalb einer Stunde mit er Subway zu erreichen. Es ist einfach schön, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, frische Luft zu atmen und die Enge und das Gedränge Manhattans für einige Stunden zu verlassen. Aber das Wasser selbst, die Meeresbrandung und der große Fluss sind für mich allein anziehend genug. Für einen Spaziergang am Wasser bin ich immer zu haben und bewaffnet mit meinem Fotoapparat bereit, Landschaften und Stadtansichten fest zu halten. Wenn man den breiten Rockaway Beach entlang läuft, dann vergisst man fast, das New York nur eine U-Bahn-Fahrt entfernt ist. Der Name der Endstation "Far Rockaway" könnte also besser nicht passen.

Rockaway Halbinsel: Eine Brise vom Atlantik und ein ungestörter Strandspaziergang
Da wo Wasser und Stadt zusammentreffen, kann ich mich kaum satt sehen. Eine Fahrt mit der Staten Island Ferry gehört daher zu meinen absoluten Highlights in New York. Die Fähre verbindet die Südspitze Manhattans mit dem Stadtteil Staten Island, auf der anderen Seite der Bucht. Die kostenlose Überfahrt führt an der Freiheitsstatue vorbei und bietet Ansichten von Brooklyn, Jersey City und Manhattan. Besonders bei Nacht ein Hingucker!

Dämmerung über dem Hudson River: Blick auf die Lichter der Skyline von Jersey City

Wasser spielte auch bei meinem Ausflug nach Tarrytown eine wichtige Rolle. Ein Schulfreund meines Großvaters lebt zusammen mit seiner Frau seit vielen Jahren im Lower Hudson Valley, eine kurze Zugfahrt von New York City entfernt. Diese Bande habe ich mit einem Besuch bestärkt und wurde sehr herzlich am Bahnhof von Tarrytown empfangen und zum Mittagessen eingeladen. Im Büro scherzt man schon, dass ich ein Faible für ältere Leute hätte, da ich auch mit einem Senior zusammen eine Wohnung in Manhattan teile. Ich bin eben sehr für den Generationenaustausch und habe mich auch bei besagtem Ehepaar sehr wohlgefühlt. Vom Balkon ihres Apartments eröffnet sich einem der Blick auf den „Tappan Zee“, hier weitet sich der Hudson River und ist mit einer Breite von 5 km ideal geeignet für Segelregatten und alle anderen Arten von Wassersport. Am Nachmittag haben wir einen Spaziergang auf dem ehemaligen Anwesen von William Rockefeller unternommen. Heute ist das Grundstück entlang des Flusses ein öffentlicher Park und mit seinen gewaltigen Eichen und Blutbuchen ein tolles Naturerlebnis.

Der kleine Yachthafen von Tarrytown, 40 km flussaufwärts von New York City gelegen

Samstag, 2. April 2011

Vom Planen

Neben den Wahrzeichen und berühmten Vierteln, ist New York auch für seine Stadtplanung bekannt. Die Straßen sind in einem Großteil der Stadt in einem rechtwinkligen Raster angelegt, das sich wie ein Gitternetz über Manhattan und die anderen Boroughs legt und die quadratischen Häuserblocks herausbildet. Dieses Jahr feiert New York die Einführung dieses Systems vor nunmehr 200 Jahren. Das Schachbrett-Schema macht es heute einfach, sich in dieser großen Stadt zu Recht zu finden. Von Nord nach Süd verlaufen die breiten Avenues, die in Ost-West-Richtung von den nummerierten Straßen geschnitten werden. Einfach gesagt, man braucht keinen Stadtplan, wenn man das Prinzip einmal verstanden hat. So fällt man nicht so schnell als „Tourist“  auf. Natürlich gibt es Ausnahmen: Im historischen Stadtzentrum an der Südspitze Manhattans tragen die Straßen richtige Namen und haben im Gegensatz zum restlichen New York Biegungen und treffen im Spitzenwinkel aufeinander. Das mit dem Winkel macht sonst nur der Broadway nach. So entstand auch der Times Square, ein dreieckiger Platz an der Schnittstelle von Broadway und 7th Avenue.

Der berühmte Times Square an der Kreuzung von Broadway und Seventh Avenue
Im Büro arbeite ich gerade unter Anleitung meines Chefs an einem Ferienhaus in der Karibik. Wir haben einen potenziellen Klienten aus New York, der ein Grundstück auf dem malerischen Vieques besitzt. Dieses Eiland liegt vor der Küste Puerto Ricos, ist touristisch aber wenig erschlossen. Zur Vorbereitung haben wir Karten und Bildmaterial studiert und uns mit unserem Klienten getroffen, der uns mit Informationen zum Grundstück und Fotos der Umgebung eine genaue Vorstellung von unserer Aufgabe vermitteln konnte. Nun fühle ich einen gewissen Leistungsdruck, meinen Chefs gute Arbeit abzuliefern. Es geht hauptsächlich um die Ausarbeitung von Plänen am Computer und ein Modell unseres Entwurfs. Entspannend waren da die Außeneinsätze. Diese Woche waren wir Praktikanten wieder auf Baustellentour. Auf die Weise können wir während der Arbeitszeit die Stadt erkunden und haben Zutritt zu Gebäuden in unterschiedlichsten Stadtteilen. Bei den Besichtigungen machen wir Fotos und überprüfen den Status der Projekte. Unsere kleine Firma hat sich auf den Aus- und Umbau von Apartments spezialisiert.

Ein Projekt vom Messana O'Rorke Architects: Umbau eines Apartments in Manhattan
So, jetzt noch ein bisschen Sightseeing und dann freue ich mich auf die „Spring Party“, auf die ich heute Abend eingeladen bin. In Deutschland ist bei 25 °C hingegen schon der Sommer ausgebrochen. In diesem Sinne euch allen ein schönes Wochenende!