Mittwoch, 4. Mai 2011

Maßarbeit

Im Büro sind wir sehr froh, dass nach der Wirtschaftskrise die ersten neuen Aufträge hereinkommen und unsere Firma nach turbulenten Zeiten wieder Fuß gefasst hat. Letzte Woche gab es den Startschuss für ein Projekt in Brooklyn. Es geht um die Umgestaltung eines ehemaligen Betriebsgebäudes. Das Erdgeschoss des zweistöckigen Backsteinbaus ist ein großer offener Raum, der als Werkstatt und Lagerraum diente. Im Obergeschoss gibt es zwei getrennte Bereiche, die jeweils ein kleines Apartment aufnehmen sollen. Das dazwischen liegende Flachdach wollen wir als Dachterrasse ausbauen. Als ersten Schritt ging es mit Laser und Maßband zur Vermessung des Gebäudes. Es war spannend, die 100 Jahre alte Immobilie zu erkunden. Jetzt zeichne ich die Bestandspläne am Computer.

Beim Vermessen einer ehemaligen Kfz-Werkstatt, unser neues Projekt im Stadtteil Brooklyn
Auf einer geführten Tour durch die historische Chinatown New Yorks konnte ich einen weiteren Stein im Mosaik der Stadt besser kennen lernen. In Manhattan ist es eines der wenigen verbliebenen ethnisch-geschlossenen Viertel. Es ist, als betrete man eine chinesische Enklave. Im Columbus Park treffen sich die alteingesessenen Bewohner, singen und musizieren zusammen, morgens wird sich mit Tai Chi fitgehalten und am Nachmittag spielen die Herren chinesischen Schach. Hier geht es eher geruhsam zu. Dagegen herrscht in den engen Straßen von Chinatown ein reges Treiben. Touristen und Einheimische dicht an dicht, Verkaufsstände und ab und zu ein Trauerzug einer traditionellen Beerdigung. Unsere Führer lebte in jungen Jahren mit seinen Eltern hier und zur Mittagszeit waren besonders seine Tipps zu einer guten Mahlzeit gefragt. Viele kommen wegen dem Essen und aus den vielen Restaurants und Bäckereien dringt in jedem Fall ein unwiderstehlicher Duft. Vom Fischmarkt kann man das weniger behaupten. Dafür ist die Auswahl riesig. Von lebendigen Fröschen bis zu getrockneten Meeresfrüchten kann man alles bekommen.

Die Pell Street in Manhattans Chinatown, ein Duft nach gebratener Ente und feinen Gewürzen
Am späten Sonntagabend wurde bekannt gegeben, dass der Präsident eine Fernsehansprache halten wolle. Kurz vor Mitternacht dann trat Obama vor die Presse und vermeldete für alle überraschend, dass Osama bin Laden, auf seinen Befehl hin, von einer Spezialeinheit dingfest gemacht und schließlich erschossen wurde. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Wir wurden von Bekannten meines Vermieters angerufen, jeder sprach davon. New Yorker versammelten sich an Ground Zero, um der Opfer des Terrors zu gedenken, die Nationalhymne zu singen oder einfach nur zu feiern. Man spürte eine Erleichterung bei den Menschen und gleichzeitig wurden die Erinnerungen an jenen unsäglichen Tag im September 2001 wachgerufen. Am Montag erzählte uns unser Chef, wie er vom Flachdach seines Hauses im East Village den Einschlag des zweiten Flugzeugs miterlebte und später den Einsturz des Nordturmes. Jeder in dieser Stadt verbindet ganz persönliche Erfahrungen mit dieser Galionsfigur des Terrors, Osama bin Laden. Zum 10. Jahrestag der Anschläge wird diesen September die offizielle Gedenkstätte am Standort des ehemaligen World Trade Centers eröffnet.

Ground Zero: Großbaustelle und Ort des Gedenkens an die Opfer des 11. September 2001

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