Sonntag, 31. Juli 2011

Wasser marsch!

Nach der Hitzewelle von vor einer Woche hat sich das Klima hier in New York auf perfektes Sommerwetter eingependelt. Gegen 30°C und blauen Himmel habe ich nichts einzuwenden. Zumal das Eis doppelt so gut schmeckt und man zur Abkühlung auch gerne ein paar Spritzer Wasser abbekommt. Ansonsten lasse ich mir bei diesen Temperaturen gerne den Wind am Hudson River um die Nase wehen. Heute saß ich am Nachmittag tatsächlich 2 Stunden auf einer Parkbank und habe den Schiffen und Wassersportlern zugesehen. Es ist immer was los im New Yorker Hafen: Zwei Kreuzfahrtschiffe sind ausgelaufen, Segelboote und gelbe Wassertaxis fuhren vorüber und die ein oder andere Verfolgungsjagd auf Jet-Skis konnte ich mir auch anschauen. Nachdem sich das gewaltige Kreuzfahrtschiff Norwegian Gem mit dem Schiffshorn von New York verabschiedet hatte, war es auch für mich Zeit zu gehen.

Das Kreuzfahrtschiff Norwegian Gem verlässt den New Yorker Hafen auf dem Hudson River
In Washington Heights - mein Wohnviertel - und anderen Stadtteilen wird bei Sommerhitze gerne der Feuerhydrant an der Straßenecke aufgedreht. Davon gibt es in New York 110.000 und alle liefern ausreichend Wasserdruck für eine schöne Fontäne. Das gehört in Manhattan zur heißen Jahreszeit dazu und ist eine geduldete Maßnahme zur Abkühlung. Manchmal werden Seitenstraßen sogar von der Polizei für den Verkehr gesperrt, damit die Kinder der Nachbarschaft ungestört im Sprühregen spielen können. Für die aufsichtführenden Eltern ist das die perfekte Gelegenheit für eine kleine Autowäsche. Andere Verkehrsteilnehmer genießen das Spektakel mit Vorsicht: Fährt man im Bus vorbei, überprüft der Fahrer, ob alle Fenster geschlossen sind. Es soll ja kein Fahrgast nass werden. Eigentlich schade.

Geöffnete Feuerhydranten sind für Abkühlung und die samstägliche Autowäsche zu empfehlen
Nach einer ausgedehnten „Fototour“ mit Besichtigungen oder einem langen Arbeitstag brauche ich am Abend eine gute Mahlzeit. Oft koche ich mir deshalb eine Kleinigkeit, wenn ich nach Hause komme. Am einfachsten sind Nudelgerichte und bei unserem Gasherd bringt man Wasser schnell zum Kochen. Heute habe ich mir damit in wenigen Minuten eine Art Nudelpfanne zubereitet. Zu meinen gekochten Penne habe ich Tomatensoße, verschiedenes Gemüse und Tintenfisch aus der Dose dazugegeben. Broccoli und Meeresfrüchte stehen bei mir hoch im Kurs. Das ganze erhitzt und ohne viel Schnickschnack serviert – ich hatte einen Bärenhunger. Mit Meeresfrüchten wird das Wochenende nach meinem Gefühl fast zum Urlaub. In diesem Sinne wünsche ich euch schöne Sommerferien und gute Erholung!

Nach einem langen Arbeitstag oder einer ausgiebigen Besichtigung hilft ein gutes Abendessen

Donnerstag, 21. Juli 2011

Unerwartet

New York City ist bekannt für die Brooklyn Bridge, das Empire State Building und die Börse an der Wall Street. Markenzeichen einer Stadt und Symbole für die moderne Welt. Zur Zeit ihrer Fertigstellung im Jahre 1883 war die Brooklyn Bridge die längste Brücke der Welt und die erste, die im Lichte elektrischer Glühlampen erstrahlte. Die Errichtung des Empire State Buildings markierte den Höhepunkt des Hochhausbaus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Über 40 Jahre sollte es das höchste Gebäude der Welt bleiben. Auch die New York Stock Exchange steht für Superlative. In New York wird die Hälfte aller weltweiten Aktien gehandelt. So steht die Wall Street nach der internationalen Finanzkrise von 2008 weiterhin für wirtschaftliche Macht und Kapitalismus. Viele werden denken, dass in eine solche Stadt kein gotisches Kloster passt. Architekturgeschichtlich wäre das auch richtig, New York wurde schließlich erst 1624 gegründet. Das war allerdings kein Grund für John D. Rockefeller und so kann man seit 1938 in einem der Kreuzgänge der „Cloisters“ Zuflucht vor der lärmenden Metropole suchen. Mittelalterliche Kunstgegenstände und komplette Gebäudeteile verfallener Klöster wurden aus allen Teilen Europas zusammengetragen und zu einem Gesamtkunstwerk gefügt. The Cloisters ist heute eine Außenstelle des Metropolitan Museum of Art mit Schwerpunkt auf europäischer Kunst des 12. Jahrhunderts.

The Cloisters: Mittelalterliche Architektur in Manhattan, errichtet mit Originalbauteilen aus Europa
Du steigst aus der vollen U-Bahn der Linie "A". Vom gut gekühlten Subway-Wagen geht es hinaus in die Schwüle des New Yorker nachmittags. Auf dem Bahnsteig wuselt es vor Menschen. Zum Glück ist es keine unterirdische Station. Alle drängen zu den Ausgängen. Einer nach dem anderen geht durch die Drehtüren und läuft auf die Straße. Es fühlt sich an wie die Rushhour an Wochentagen, doch es ist Sonntag und die Silhouette Manhattans kann man nur in der Ferne erahnen. Nicht die Aktentasche, sondern der Sonnenschirm klemmt unter dem Arm. Vor dem Bahnhof erwartet dich eine angenehme Brise und die Luft riecht nach Meer. Mit dem A-Train, der auch an der Haltestelle vor meinem Apartmentgebäude hält, dauert es eineinhalb Stunden von Washington Heights bis nach Rockaway Park. Eine Fahrt vom dichtbebauten Manhattan bis an den offenen Atlantik. Die Menschen aus der U-Bahn verteilen sich schnell an der kilometerlangen Strandpromenade. Kaum zu glauben, dass dich direkt vor New Yorks Haustüre, am Rande des Stadtteils Queens, ein perfekter Sandstrand erwartet: Im Ozean schwimmen, Beachvolleyball spielen oder einfach nur die Beine hochlegen. Aktuell lässt es sich bei 30°C gut aushalten und auch im Büro klappt es mit der Konzentration. Für Freitag und Samstag werden allerdings 37°C erwartet. Der A-Train wird wohl wieder mit Städtern gefüllt sein, die nach Abkühlung suchen.

Perfektes Badewetter am Rockaway Beach, auf einer langgestreckten Halbinsel im Atlantik gelegen

Mittwoch, 13. Juli 2011

Arbeitswelt

Meine Praktikumsfirma „Messana O’Rorke“ wurde von Brian Messana aus Kalifornien und seinem Geschäftspartner Toby O’Rorke aus Großbritannien vor 15 Jahren gegründet und ist seit dieser Zeit besonders im Bereich der Innenarchitektur tätig. Es herrscht eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre in unserem Büro. Wie in den USA üblich, sprechen wir Praktikanten unsere Vorgesetzten mit Vornamen an. Brian ist für die Öffentlichkeitsarbeit, die Entwurfsarbeit und die Betreuung von uns Praktikanten zuständig. Toby kümmert sich um Detailzeichnungen, Ausschreibungen und Kostenplanung. Vor Arbeitsschluss nimmt sich Brian für jeden Praktikanten Zeit und bespricht die über den Tag geleistete Arbeit. Da kommt ganzschön was zusammen! Mein Arbeitstag beginnt um 9:00 Uhr und endet in der Regel gegen 19:00 Uhr. Ab 13:00 Uhr ist eine Stunde Mittagspause, die wir Praktikanten außerhalb des Büros, in einem Restaurant oder Park verbringen. Einmal die Woche gehen alle gemeinsam Mittagessen und werden von unseren Chefs eingeladen. Es herrscht oft eine familiäre Atmosphäre und einmal im Monat wird auch ein Feierabend zusammen verbracht. Das kann ein Abend im Kino sein oder ein Firmenausflug zur Bowlingbahn. Zusätzlich haben wir die Möglichkeit über die Firma Museen und Ausstellungen kostenlos zu besuchen. Es ist gerne gesehen, wenn man die Kunst- und Architekturszene New Yorks erkundet.

Diese zwei will ich nicht vergessen: Agnes und Oliver sorgen für Abwechslung im Büroalltag
Für Brian und Toby geht es darum ihren Praktikanten beizubringen, wie sie Probleme lösen und Gebäude entwerfen. Es gilt das firmentypische Design beizubehalten und nicht sich selbst zu verwirklichen, zumindest für uns Praktikanten. Das kann eine harte Schule sein. Das Praxissemester in New York empfinde ich aber gerade deshalb als wichtigen Schritt in meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung. Dabei habe ich besonders vom Grad der Professionalität und Organisationsstruktur profitiert. Am Ende des Tages weiß ich, was ich geleistet habe und nach der Arbeit geht der Spaß ja erst richtig los! Die Entscheidung, was ich am liebsten machen will, fällt schwer. Ich versuche weiterhin zweimal die Woche ins Fitnessstudio zu gehen. Für echte Sportskanonen klingt das eher schwach. Mir geht es um den Ausgleich zur Arbeit und dem häufigen Sitzen. Dann gibt es noch eine ganze Reihe von Freizeitbeschäftigungen, die einen abends locken. Morgen gehe ich nach der Arbeit zu einer Kinovorführung im Brooklyn Bridge Park. Die Frage ist, was die größere Attraktion sein wird: Der Film auf der Leinwand oder die Skyline von Manhattan auf der anderen Seite der Brücke. So genieße ich zum Feierabend und an den Wochenende den Sommer in New York.

Eis mit viel Farbstoff ist genau das Richtige für einen heißen Sommertag in New York City

Mittwoch, 6. Juli 2011

Independence Day

Der 4. Juli ist Amerikas Nationalfeiertag, an dem der Unabhängigkeit und der Ideale der USA gedacht wird. Man hat sich hier gesellschaftlich darauf geeinigt, dass man das am besten beim Barbecue mit der Familie machen kann. Dieser Tradition kann sich auch die New Yorker Stadtverwaltung nicht widersetzen und gibt alle Parks zum Grillen frei. Denn einen eigenen Garten hat in New York höchstens der Bürgermeister und der ist schon für den Sektempfang zum Independence Day ausgebucht. So war schon das ganze Wochenende jeder Zentimeter Rasenfläche mit Gasgrills, Klappstühlen und Fähnchen zugepflastert. Höhepunkt eines gelungenen Unabhängigkeitstages ist das Feuerwerk und das größte dieser Art findet, wie sollte es anders sein, in New York City statt. Über eine Praktikantin aus unserem Architekturbüro war ich bei einer Party auf dem Hausdach eines 35. stöckigen Apartmentgebäudes eingeladen. Die Aussicht von der Upper West Side auf die Hochhäuser von Midtown und das Feuerwerk über dem Hudson River war atemberaubend. Das Feuerwerk wird von Lastkähnen auf dem Fluss abgebrannt und so sind die Piers und Uferpromenaden gedrängt mit Menschen. Da hat man es gut, wenn man den Anblick von oben genießen kann. Ich habe euch aus meinen Videos einen Film zusammengestellt: