Donnerstag, 26. Mai 2011

Gegensätze

Die Straßen von New York sind von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kultur bevölkert. Ein buntes Mosaik, in dem 200 verschiedene Sprachen gesprochen werden und Hindus, Christen und Moslems gemeinsam ihren Geschäften nachgehen. New York ist auch Heimat einer großen jüdischen Gemeinde – größer als die von Jerusalem. Mehr Chinesen leben hier, als an jedem anderen Ort außerhalb Asiens. Die Stadt an der Mündung des Hudson Rivers ist seit jeher ein Tor zur Neuen Welt. Ein Drittel der heutigen Einwohner New Yorks wurden nicht in den USA geboren. Besonders aus dem lateinamerikanischen und asiatischen Raum kommen viele neue Einwanderer. Oft ziehen Neuankömmlinge zu ihren Landsleuten in ein bestimmtes Viertel und prägend so den Stadtteil durch ihre Feste und Gebräuche. Ich lebe in Washington Heights. Hier im Norden Manhattans stammt ein Großteil der Einwohner aus Puerto Rico und der Dominikanischen Republik. Das spiegelt sich am Warenangebot in den Supermärkten wider, an der Musik, die aus den Häusern schallt und der Sprache, die auf der Straße gesprochen wird. ¿Habla usted español?

In meiner Nachbarschaft: Die belebte St. Nicolas Avenue in Washington Heights
Viele Einwanderer kommen auf der Suche nach einem besseren Leben und mehr Wohlstand in die Vereinigten Staaten. Sie befriedigen den Bedarf an günstigen Arbeitskräften im Dienstleistungsbereich, der gerade in New York hoch ist. Doch durch den Zuzug von Menschen mit geringen Englischkenntnissen und Defiziten bei der Ausbildung, klafft die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinander. Viele Migranten-Viertel in New York haben soziale Probleme, während die Manager an der Wall Street satte Boni einstreichen. Dieses Missverhältnis begegnet einem überall in der Stadt. Bürgermeister Bloomberg ist stolz auf die „Luxusstadt“ New York, die mit 55 Milliardären den ersten Platz in dieser Kategorie einnimmt. Auf der anderen Seite müssen die Schulen und sozialen Einrichtungen die Missstände bei Immigranten und den ärmeren Bevölkerungsschichten auffangen. Besonders der teure Wohnraum macht es Menschen mit niedrigen Einkommen schwer.

Central Park South: Luxushotels und teure Restaurants für Manhattans Superreiche

Dienstag, 17. Mai 2011

Rundum New York

Wenn auf der Arbeit richtig viel zu tun ist, dann kommt ein Anlass zum Feiern doch wie gerufen. Heute ging der International Contemporary Furniture Fair im New Yorker Messezentrum zu Ende. Neben Möbeln, werden insbesondere Designs für Küche und Bad sowie Lampen und Lichtinstallationen präsentiert. Auch unsere Firma war vertreten. Ein Luxusausstatter für Küchen und Badezimmer zeigte auf seinem Stand Prototypen einer von Messana O’Rorke entworfenen Kollektion an Armaturen. Da gab es im Vorfeld der Messe einiges zu erledigen. Doch dann durch die Messehalle zu schlender war angenehm. Wir Praktikanten mussten uns um nichts mehr kümmern und konnten uns die Ideen anderer Firmen anschauen. Die Konkurrenz ist riesige. Auch deutsche Konzerne wie Villeroy & Boch waren vertreten. Unsere beiden Chefs waren derweil damit beschäftig Beziehungen zu knüpfen. Zusammen mit dem New Yorker Aussteller unserer Wasserhähne und Halterungen, haben sie einen Vertriebspartner gefunden. Da hat sich die Anstrengung also gelohnt.

Von der Lampe bis zur Couchgarnitur auf dem International Contemporary Furniture Fair

Eine Freundin aus meiner Kirchengemeinde hat mich am vergangenen Wochenende ins Solomon R. Guggenheim Museum eingeladen. Da habe ich mich nicht zweimal bitten lassen, denn diese berühmte Institution stand ganz oben auf meiner Liste. Das Guggenheim reiht sich ein in die „Museum Mile“, einem Teilstück der 5th Avenue mit einer großen Dichte an Kunstsammlungen und Galerien. Daneben stehen teure Apartmenthäuser mit Blick auf den Central Park. Architektonisch hebt sich "The Guggenheim" von den umstehenden rechteckigen Gebäuden deutlich ab. Der Architekt Frank Lloyd Wright wählte den Kreis als bestimmende Form. Die schneckenförmige Rampe im inneren der Rotunde gilt als Markenzeichen des Baus. Die Architektur lässt die Kunstwerke aber nicht unwichtig erscheinen, sondern bietet einen Rahmen. Zurzeit widmet sich das Guggenheim in der Sonderausstellung „The Great Upheaval“ der modernen Kunst zwischen 1910 und 1918. Diese Zeit vor und während des 1. Weltkriegs war voller Umwälzungen in Politik und Malerei. Die Kunst wurde abstrakter, es entstanden neue Kunstrichtungen wie Kubismus und Expressionismus. Diese spannende Periode wird an Hand der Werke von Kandinsky, Marc und vieler weiterer eindrucksvoll dargestellt.
Die spiralförmige Rampe in der Rotunde des Guggenheim Museums von Frank Lloyd Wright
Mein Praktikum in New York wurde mir auch durch ein Teilstipendium ermöglicht. Alle Teilnehmer an diesem Programm für ein Praxissemester im Ausland wurden vor der Ausreise zu einem Seminar mit interkulturellem Training eingeladen. So kam ich ein zweites Mal nach Bonn, wo bereits das Auswahlverfahren für das Stipendium stattgefunden hatte. Während der zweitägigen Veranstaltung erfuhren wir nicht nur viel über wichtige Kulturstandards, sondern lernten auch die anderen Studenten kennen. Bei einer Gruppenübung sollten wir eine Weltkarte aus Menschen formen, die die Zielorte der einzelnen Teilnehmer zeigte. New York und Umgebung stellten sich dabei als Ballungszentrum heraus. So bildete sich schnell eine Clique und wir tauschten unsere Adressdaten aus. In den USA angekommen, wurde der Kontakt aufgenommen. Seither treffen wir uns immer wieder an den Wochenenden. Meistens alle zwei Wochen. Es ist schön, sich mit anderen Deutschen auszutauschen und zusammen die Stadt zu entdecken.

Studenten aus Deutschland stoßen auf ihr Praktikum in den USA an, Quelle: Stefanie Behrens

Mittwoch, 11. Mai 2011

Ballett und Baseball

New York ist so faszinierend, weil es eine Stadt der Gegensätze ist. Das gilt auch für die Arten von Unterhaltung, die einem hier geboten werden. Am Dienstag war ich mit Freunden bei der wohl traditionsreichsten amerikanischen Sportveranstaltung - einem Baseballspiel. Nicht nur bei irgendeinem Baseballspiel. Sondern bei einem Spiel der New York Yankees, die so etwas wie der Rekordmeister des Schlagballs sind. Was gibt es besseres, als sich nach Feierabend mit Freunden zu treffen und einen Hotdog im Stadion zu verdrücken. Das schöne am Baseball ist ja, dass es während dem Spiel genügend Pausen gibt und man sich vernüpftig unterhalten kann. War auch ganz nützlich, um die Regeln ausführlich erklärt zu bekommen. Mit zwei guten Spielzügen sicherten sich die Yankees den Sieg gegen die Kansas City Royals und wurden von den Fans gebührend gefeiert. Auch wir haben darauf mit einem Budweiser angestoßen, dass uns der Sieg bloß nicht zu Kopfe steigt.

Mit Freunden auf meinem ersten New York Yankees Game - was wäre Amerika ohne Baseball
Von Masse zu Klasse kommt man am besten über die Klassik. Es darf auch getanzt werden. So läuft das wenigstens beim New York City Ballet. Wenn es dann noch vergünstige Tickets gibt, dann gibt es eigentlich keinen Grund mehr sich der Kultur zu verweigern. In Wahrheit hat es mich ja auch interessiert und das Programm im David H. Koch Theater, Teil des New Yorker Lincoln Centers, ist nun wirklich nicht von schlechten Eltern. Die sonntägliche Nachmittagsvorstellung begann mit Musik von Bach. In den darauf folgenden vier Sequenzen wurde die Musik und der klassische Tanz immer moderner. Es wurden fünf in sich abgeschlossene Stücke dargeboten, die einem einen tollen Einblick in das Repertoire der Ballettkompanie verschafften. Mir hat es gefallen. Zu Zeiten von Black Swan, einem Film in Anlehnung an Schwanensee, ist es ja auch so gut wie hip ins Ballett zu gehen. 

Meine Sicht auf die Bühne des David H. Koch Theater, der Heimat des New York City Ballet
Ein Festival anderer Art wurde in der ersten Maiwoche in der Lower East Side abgehalten. Es ging um Ideen für eine erneuerte und lebenswerte Stadt. Das Festival of Ideas for The New City befasste sich dabei mit Möglichkeiten der Fortbewegung, der Verringerung von Schadstoffen und der Nachhaltigkeit von städtischem Wachstum. Aber auch interessante Konzepte zur Nutzung und Gestaltung von Räumen wurden präsentiert. Darunter "the SpaceBuster", ein Lieferwagen mit aufblasbarer Multifunktionshalle. Diese war auf einem Sportplatz in einem Park aufgebaut. Hier fanden Diskussionsrunden mit Architekten, Wissenschaftlern und Philosophen statt. Da konnte der Kompressor noch so arbeiten, der Platz unter der Hülle war begrenzt. Doch auch ich schaffte es nach längerem Anstehen in die Blase und hörte den Vorträgen über die Herausforderungen, mit denen Städte heute umgehen müssen, zu. Die Lösungsansätze waren dann allerdings sehr technisch.

Festival of Ideas for The New City - Ideen für die Stadt der Zukunft und wie wir darin leben

Mittwoch, 4. Mai 2011

Maßarbeit

Im Büro sind wir sehr froh, dass nach der Wirtschaftskrise die ersten neuen Aufträge hereinkommen und unsere Firma nach turbulenten Zeiten wieder Fuß gefasst hat. Letzte Woche gab es den Startschuss für ein Projekt in Brooklyn. Es geht um die Umgestaltung eines ehemaligen Betriebsgebäudes. Das Erdgeschoss des zweistöckigen Backsteinbaus ist ein großer offener Raum, der als Werkstatt und Lagerraum diente. Im Obergeschoss gibt es zwei getrennte Bereiche, die jeweils ein kleines Apartment aufnehmen sollen. Das dazwischen liegende Flachdach wollen wir als Dachterrasse ausbauen. Als ersten Schritt ging es mit Laser und Maßband zur Vermessung des Gebäudes. Es war spannend, die 100 Jahre alte Immobilie zu erkunden. Jetzt zeichne ich die Bestandspläne am Computer.

Beim Vermessen einer ehemaligen Kfz-Werkstatt, unser neues Projekt im Stadtteil Brooklyn
Auf einer geführten Tour durch die historische Chinatown New Yorks konnte ich einen weiteren Stein im Mosaik der Stadt besser kennen lernen. In Manhattan ist es eines der wenigen verbliebenen ethnisch-geschlossenen Viertel. Es ist, als betrete man eine chinesische Enklave. Im Columbus Park treffen sich die alteingesessenen Bewohner, singen und musizieren zusammen, morgens wird sich mit Tai Chi fitgehalten und am Nachmittag spielen die Herren chinesischen Schach. Hier geht es eher geruhsam zu. Dagegen herrscht in den engen Straßen von Chinatown ein reges Treiben. Touristen und Einheimische dicht an dicht, Verkaufsstände und ab und zu ein Trauerzug einer traditionellen Beerdigung. Unsere Führer lebte in jungen Jahren mit seinen Eltern hier und zur Mittagszeit waren besonders seine Tipps zu einer guten Mahlzeit gefragt. Viele kommen wegen dem Essen und aus den vielen Restaurants und Bäckereien dringt in jedem Fall ein unwiderstehlicher Duft. Vom Fischmarkt kann man das weniger behaupten. Dafür ist die Auswahl riesig. Von lebendigen Fröschen bis zu getrockneten Meeresfrüchten kann man alles bekommen.

Die Pell Street in Manhattans Chinatown, ein Duft nach gebratener Ente und feinen Gewürzen
Am späten Sonntagabend wurde bekannt gegeben, dass der Präsident eine Fernsehansprache halten wolle. Kurz vor Mitternacht dann trat Obama vor die Presse und vermeldete für alle überraschend, dass Osama bin Laden, auf seinen Befehl hin, von einer Spezialeinheit dingfest gemacht und schließlich erschossen wurde. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Wir wurden von Bekannten meines Vermieters angerufen, jeder sprach davon. New Yorker versammelten sich an Ground Zero, um der Opfer des Terrors zu gedenken, die Nationalhymne zu singen oder einfach nur zu feiern. Man spürte eine Erleichterung bei den Menschen und gleichzeitig wurden die Erinnerungen an jenen unsäglichen Tag im September 2001 wachgerufen. Am Montag erzählte uns unser Chef, wie er vom Flachdach seines Hauses im East Village den Einschlag des zweiten Flugzeugs miterlebte und später den Einsturz des Nordturmes. Jeder in dieser Stadt verbindet ganz persönliche Erfahrungen mit dieser Galionsfigur des Terrors, Osama bin Laden. Zum 10. Jahrestag der Anschläge wird diesen September die offizielle Gedenkstätte am Standort des ehemaligen World Trade Centers eröffnet.

Ground Zero: Großbaustelle und Ort des Gedenkens an die Opfer des 11. September 2001