Donnerstag, 9. Juni 2011

Auf Achse

„Upstate“ nennen die New Yorker den nördlichen Teil ihres Bundesstaates. Dieser reicht bis an die Grenze zu Kanada und hat nicht viel gemein mit New York City, dem südlichen Zipfel von New York State. Große Teile des Staates sind dünn besiedelt. Es gibt Landwirtschaft und einzelne Industriestandorte. Das Landschaftsbild ist hauptsächlich von Bergen, Wäldern und Gewässern wie dem Hudson River und den Finger Lakes geprägt. Auch die Hauptstadt Albany, drei Autostunden von New York City entfernt, liegt in Upstate. Ganz in der Nähe habe ich mein letztes Wochenende verbracht. Mein Chef hat uns Praktikanten auf eine Museumstour mitgenommen und uns zum Grillen auf sein Wochenendhaus "Ten Broeck" eingeladen. Das kleine Landhaus stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde von holländischen Siedlern errichtet. Mein Chef hat das Cottage vor wenigen Jahren vor dem Verfall gerettet und durch einen modernen Anbau erweitert, der viel Lob erfuhr. Das Grundstück liegt inmitten einer Apfelplantage und an einem plätschernden Bach.

Ten Broeck Cottage wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von holländischen Siedlern errichtet
Unser Roadtrip führte uns auch in einen benachbarten Bundesstaat. Das in North Adams gelegene Massachusetts Museum of Contemporary Art (MASS MoCA) hat mir auf unserer Tour am besten gefallen. Fabrik- und Lagerhallen wurden hier zu Ausstellungsräumen umgestaltet. Das Platzangebot in den ausgedehnten Industriegebäuden und die großen Fensterflächen ergeben ein Raumgefühl, das nur wenige Museen bieten können. Auch die gewaltigen Installationen der deutschen Künstlerin Katharina Grosse finden hier ausreichend Platz (siehe Foto). MASS MoCA beherbergt neben mehreren Wechselausstellungen auch eine Dauerausstellung zum Lebenswerk des verstorbenen Künstlers Sol LeWitt. Dieser ist für seine geometrischen Formen und die von ihm entwickelten Farbkompositionen bekannt.

Ein Kunstmuseum auf einem ehemaligen Industriegelände, das MASS MoCA in Massachusetts
Die Sommersonnenwende kündigt sich in New York schon frühzeitig an. An einem Tag Ende Mai berührt die Sonnenscheibe den Horizont genau in Achse zum New Yorker Straßennetz. Die von Ost nach West verlaufenden Querstraßen geben den Blick frei auf die untergehende Sonne. Manhattan wird so vom Hudson bis zum East River mit den goldenen Strahlen der Abendsonne geflutet. Dazu bieten die Straßenschluchten den perfekten Rahmen für den Sonnenuntergang und verstärken so den Effekt. Ein zweites Mal findet dieses Schauspiel Anfang Juli statt, wenn die Tage wieder kürzer werden. Ich habe also noch einmal die Chance für ein Foto. Die Aufnahme für diesen Blogeintrag entstand wenige Tage nach dem eigentlichen Datum. Man kann dennoch erahnen, wie eindrucksvoll dieses Ereignis ist. Aber auch so heizt uns die Sonne in den letzten Tagen kräftig ein. Donnerstag erwarten wir 38°C und am Abend ein schönes Gewitter, das die Temperaturen wieder nach unten bringt.

Manhattanhenge: Zweimal im Jahr geht die Sonnen in Achse zu New Yorks Querstraßen unter 

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